{"id":351,"date":"2009-03-23T22:04:53","date_gmt":"2009-03-23T20:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=351"},"modified":"2009-03-23T22:04:53","modified_gmt":"2009-03-23T20:04:53","slug":"schlingensief-feiert-im-burgtheater-wiederauferstehung-dpa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=351","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEF FEIERT IM BURGTHEATER &#8222;WIEDERAUFERSTEHUNG&#8220; (DPA)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief weint noch immer in stillen Stunden \u00fcber sein Schicksal. Zwei Jahre hat der Arzt ihm 2008 wegen seiner Krebserkrankung gegeben. Er denkt trotzdem nicht daran, die wei\u00dfe Fahne zu hissen.<\/strong><\/p>\n<p>Wien  &#8211;  Das hat dem Katholiken auch von kirchlicher Seite schon den Vorwurf eingebracht, seine Krebserkrankung \u00f6ffentlich &#8222;zu inszenieren&#8220;. Als ob das Thema &#8222;Der K\u00fcnstler und der Tod&#8220; nicht schon oft Grundlage f\u00fcr k\u00fcnstlerisches Schaffen gewesen w\u00e4re. Jetzt hat der 48 Jahre alte Theater- und Filmregisseur (&#8222;Das deutsche Kettens\u00e4genmassaker&#8220;) nachgelegt und am Wiener Burgtheater seine neueste Inszenierung &#8222;Mea culpa&#8220; herausgebracht, f\u00fcr die er am Freitagabend vom Premierenpublikum, darunter J\u00fcrgen Flimm, Nike Wagner und Sepp Bierbichler, in die Arme genommen wurde.<\/p>\n<p>Dabei zeigt Schlingensief mit dem Ensemble seine alte St\u00e4rke, auch mal wieder \u00fcber sich selbst lachen zu k\u00f6nnen. Dabei haben nicht alle Szenen unbedingt immer zwingende \u00dcberzeugungskraft. Langanhaltender, herzlicher Beifall f\u00fcr eine zweieinhalbst\u00fcndige &#8222;Ready-Made-Oper&#8220;, wie er sein B\u00fchnenprojekt nennt, &#8222;auf dem R\u00fccken von&#8220; beziehungsweise mit Texten und Musik unter anderem von Elfriede Jelinek, Goethe, Nietzsche, Schubert, Bach, Kalman und nat\u00fcrlich vor allem immer wieder Richard Wagner und Schlingensief. Der stand diesmal auch selbst wieder mit auf der B\u00fchne stand &#8211; zusammen mit seinem Ensemble wie Margit Carstensen, Irm Hermann, Joachim Meyerhoff, Fritzi Haberlandt, Walter Kogler und Peter Leussink.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Zur\u00fcck Richtung Leben mit neuen Vorzeichen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Nach der &#8222;Kirche der Angst&#8220; als &#8222;Requiem zu Lebzeiten&#8220; bei der Ruhrtriennale, mit der Schlingensief Anfang Mai auch das Berliner Theatertreffen er\u00f6ffnen wird, und dem &#8222;Zwischenstand der Dinge&#8220; jetzt ein befreiender Schritt nach vorn, in die Zukunft, f\u00fcr die ihm ein Arzt 2008 &#8222;noch zwei Jahre&#8220; gegeben hat. &#8222;Zur\u00fcck Richtung Leben mit neuen Vorzeichen&#8220;, wie es der Regisseur sichtlich erleichtert nach der Vorstellung nannte. Ein einfaches Zur\u00fcck gibt es nicht, das wei\u00df auch ein Schlingensief. &#8222;Ich will das reine Leiden nicht mehr haben&#8220;, betont er, oder mit Richard Wagner zu sprechen &#8222;Kinder, schafft Neues!&#8220;.<\/p>\n<p>Also weg von der reinen Selbstbespiegelung. Im ersten Akt seiner Neuinszenierung thematisiert der Regisseur zwar noch einmal seine Erkrankung, um sich dann aber zunehmend an die &#8222;Macht der Oper&#8220; zu erinnern, denn &#8222;wo Tod ist, ist auch Oper&#8220;. So l\u00e4sst er einen Regisseur &#8222;C.S.&#8220; mit den Klinikpatienten Wagners &#8222;Parsifal&#8220; proben und die Drehb\u00fchne im Burgtheater zeigt wieder das Dekorationsarsenal eines Christoph Schlingensief von T\u00fcrmen, Burgen, K\u00e4figen, Z\u00e4unen samt &#8222;Krippenspiel&#8220; und afrikanischen &#8222;Blumenm\u00e4dchen&#8220;, die auch seinen ber\u00fchmten Hasen (als Symbol der Fruchtbarkeit) aus seiner Bayreuther Inszenierung, wo er allerdings auf Gro\u00dfbildleinwand zum Entsetzen der Zuschauer detailliert verwesen musste, wieder auf die B\u00fchne bringen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber Krankheit, Sterben und Tod sprechen<\/strong><\/p>\n<p>Der &#8222;reale Schlingensief&#8220; kommentiert auf der B\u00fchne Videoeinspielungen seiner fr\u00fcheren Opernarbeiten wie den (Erl\u00f6sung suchenden) &#8222;Fliegenden Holl\u00e4nder&#8220; in der brasilianischen Amazonasmetropole Manaus. &#8222;Der Blick ins Jenseits&#8220;, wie der 3. Akt \u00fcberschrieben ist, weist nach Afrika. Auf der B\u00fchne wird schon mal die Er\u00f6ffnung des Festspielhauses geprobt, die Schlingensief nach eigener Aussage mit Unterst\u00fctzung des Goethe-Instituts und anderer Partner dort plant. &#8222;Der Gr\u00fcne H\u00fcgel von Bayreuth wird ein neues Zuhause finden in den gr\u00fcnen H\u00fcgeln von Afrika, die werden in Bayreuth vor Neid erblassen!&#8220;<\/p>\n<p>Katharina Wagner will ihn dennoch wieder nach Bayreuth locken, wo Schlingensief gerne den &#8222;Tristan&#8220; inszeniert h\u00e4tte. So endet denn auch seine Wiener Inszenierung mit Isoldes &#8222;Liebestod&#8220;. Der &#8222;Krebs und Bayreuth&#8220; sind Schlingensiefs Lebensthema geworden, er hat sogar den Verdacht, &#8222;man geht nach Bayreuth um zu sterben&#8220;. Aber in dem Regisseur ist neues Leben erwacht. &#8222;Die Erl\u00f6sung kann mir gestohlen bleiben! Ich will noch nicht in den Himmel. Ich habe den Tod gesehen, und das reicht mir erst einmal.&#8220;<\/p>\n<p>Und eins kommt auch nicht infrage, wie es ihm Kirchenleute mit erhobenem Zeigefinger geraten haben: &#8222;Sterben ist still, lautlos, wortlos und handlungslos.&#8220; Nein, meint der Regisseur in seinem Krankenhaus-Tagebuch, das im April erscheint (Kiepenheuer &#038; Witsch) und aus dem das Burgtheater zitiert. Er wolle \u00fcber Krankheit, Sterben und Tod sprechen, so wie es andere Menschen auch tun sollten und die er dazu ermuntern will.<\/p>\n<p><em>Von Wilfried Mommert, dpa<br \/>\nDer Tagesspiegel vom 22.3.2009 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief weint noch immer in stillen Stunden \u00fcber sein Schicksal. Zwei Jahre hat der Arzt ihm 2008 wegen seiner Krebserkrankung gegeben. 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