{"id":340,"date":"2009-03-27T12:25:18","date_gmt":"2009-03-27T10:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=340"},"modified":"2009-03-27T12:25:18","modified_gmt":"2009-03-27T10:25:18","slug":"ich-dank-euch-sehr-nzz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=340","title":{"rendered":"ICH DANK EUCH SEHR (NZZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensiefs \u00abMea culpa\u00bb am Burgtheater<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Von Paul Jandl<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nGanz ist nur der Tod, das Leben bleibt St\u00fcckwerk. Wer wollte Christoph Schlingensiefs neuer Arbeit (vgl. NZZ vom 13. 3. 09) also ver\u00fcbeln, dass sie so eklektisch daherkommt? Es dr\u00f6hnt die Musik zu Richard Wagners \u00abParsifal\u00bb aus dem Orchestergraben, es irrlichtern Bilder von Krebszellen \u00fcber die B\u00fchne, als ein feister Mozart ruft: \u00abIch bin geheilt!\u00bb In der Tat hat man auch Schlingensief schon pessimistischer gesehen. Vom tr\u00e4nenreichen Leidensdruck der Duisburger \u00abKirche der Angst\u00bb ist in der neuen \u00abReadymade-Oper\u00bb mit dem Titel \u00abMea culpa\u00bb nicht mehr viel zu sp\u00fcren. Es geht dem deutschen K\u00fcnstler besser.<\/p>\n<p>Christoph heisst die von Joachim Meyerhoff gespielte Figur, die zweieinhalb Stunden lang dem Geschehen den autobiografischen Rahmen gibt. Was mit \u00abParsifal\u00bb beginnt, endet mit Isoldes \u00abLiebestod\u00bb. Dazwischen liegen Reisen in die Zeit der Krebserkrankung und in Schlingensiefs Kindheit, in die pomp\u00f6sen Ayurveda-Kuren von Bad Schandau und nach Afrika. Dort soll bald einmal ein Festspielhaus stehen, das aussieht wie das ber\u00fchmteste in Deutschland.<\/p>\n<p>Wenn \u00abMea culpa\u00bb ein halb ironisches Schuldbekenntnis Schlingensiefs sein soll, dann geht das in Richtung Bayreuth. War es ein Sakrileg, das dortige deutsche Pathos 2004 mit der \u00abParsifal\u00bb-Inszenierung durcheinandergebracht zu haben? Der tote Bayreuther Hase wird in Wien \u00fcber die B\u00fchne getragen, w\u00e4hrend sich Schlingensief im Programmheft auch fragen darf, ob er nicht l\u00e4ngst mit dem \u00abGiftzeugs\u00bb der Wagnerschen Todesmusik infiziert ist. Die Heilsversprechen von Religiosit\u00e4t, Wellness und Richard Wagner werden auf der Drehb\u00fchne des Burgtheaters sanft zerrieben. Wo eine Gralsburg und das afrikanische Festspielhaus aufragen, dort tr\u00e4gt Schlingensief die Monstranz seiner Zitat-Kunst vor sich her.<\/p>\n<p>Alles und nichts l\u00e4sst sich gegen Schlingensiefs dadaistisches Theater der Selbstent\u00e4usserung sagen. Es ist r\u00fchrend pathetisch und anstrengend komisch zugleich. Zwischen Gurnemanz und Firlefanz setzt der Regisseur seine Bilder auf die B\u00fchne. Einmal klopft das grossartige Ensemble donnerschwer ans Himmelstor, dann wieder tr\u00e4llert es Emmerich K\u00e1lm\u00e1ns fr\u00f6hliches \u00abKomm mit nach Vara\u017edin\u00bb. So muss es aussehen im Zwischenreich der Todeskrankheit. F\u00fcr kurz einmal im Himmel angekommen, sagt der Christoph des St\u00fccks: \u00abIch mag noch nicht. Ich dank euch sehr. \u2013 Tsch\u00fcss!\u00bb<\/p>\n<p>\u00dcber einen eigens f\u00fcr ihn angelegten Steg wandelt der leibhaftige Christoph Schlingensief auf die B\u00fchne des Burgtheaters, liest aus seinen Krankenhaus-Tageb\u00fcchern und erbittet sich vom Publikum \u00e4hnliche Notizen. \u00abIch les es gerne mal.\u00bb So hat der barocke Wiener den Tod am liebsten: als vor\u00fcbergehende Erscheinung. Grosser Jubel f\u00fcr einen Auferstandenen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>23. M\u00e4rz 2009, Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensiefs \u00abMea culpa\u00bb am Burgtheater<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/340"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=340"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/340\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}