{"id":317,"date":"2009-01-30T00:01:39","date_gmt":"2009-01-29T22:01:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=317"},"modified":"2009-01-30T00:01:39","modified_gmt":"2009-01-29T22:01:39","slug":"ein-festspielhaus-in-afrika-3sat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=317","title":{"rendered":"EIN FESTSPIELHAUS IN AFRIKA (3SAT)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief auf Ortsbesichtigung in Kamerun. Donnerstag, 29.01.2009 ab 19.20 Uhr in 3sat Kulturzeit<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nAls Regisseur Christoph Schlingensief Anfang November 2008 auf einer Berliner Veranstaltung im Hebbel am Ufer sein Vorhaben verk\u00fcndete, ein Festspielhaus in Afrika zu er\u00f6ffnen, signalisierte das Goethe-Institut unmittelbar seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr diese Idee, denn es will seine Arbeit auf dem Kontinent verst\u00e4rken. Christoph Schlingensief verfolgt diesen Plan schon seit l\u00e4ngerer Zeit. Zu Beginn des Jahres 2009 war es soweit.<\/p>\n<div style=\"padding-top:26px;padding-bottom:28px;text-align:center;width:430;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/mediathek\/flashvideo2.php?type=f4v&#038;b=400&#038;h=320&#038;id=090129_afrika_kuz_vh\" width=\"400\" height=\"352\" name=\"video_inabox\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/div>\n<p>Trotz seiner Erkrankung reiste Christoph Schlingensief gemeinsam mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Aino Laberenz nach Kamerun, um einen Ort f\u00fcr ein Festspielhaus zu suchen. Schlingensief ist fasziniert von Afrika &#8211; und von der Oper. Beides will er nun zusammenbringen. Zwischen Bayreuth und Afrika sieht er sowohl bei den Bauwerken, als auch bei den Kost\u00fcmen Parallelen. &#8222;Wer hat hier wieder von wem geklaut?&#8220;, fragt er. &#8222;Wir m\u00fcssen einen Ort schaffen, indem wir etwas Afrika klauen, so die Idee.&#8220; <\/p>\n<p>In Douala, der gr\u00f6\u00dften Stadt des Landes, erkundet Schlingensief bei dr\u00fcckender Hitze geeignete Bauten und Pl\u00e4tze. Sein Traum ist eine Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Afrikaner und Europ\u00e4er. In Afrika soll er wahr werden. Ein Jahr sind die Krebsdiagnose und die Operation jetzt her. Der Trip nach Kamerun ist seine erste gro\u00dfe Reise nach alledem. Gerade in der Auseinandersetzung mit der Krankheit, ist der Wunsch von einem Festspielhaus so etwas wie zur inneren Notwendigkeit geworden. &#8222;Dieses Projekt habe ich schon l\u00e4nger gehabt&#8220;, berichtet Schlingensief. &#8222;In der Nacht vor meiner Operation, als ich noch gar nicht wusste was passiert&#8220;, habe eine Rechtsanw\u00e4ltin sein Testament aufgeschrieben, berichtet Schlingensief. An dem Afrikaprojekt &#8222;hing so viel an Sehnsucht, dass ich gesagt habe, das ist mein Projekt, darum geht es mir. Weil ich mich auch frage, was ist der Sinn dieser Arbeit, was war der Sinn. Ich glaube, ich wollte den Leuten einfach nahe bringen, dass viele Sachen nicht im Perfekten existieren, dass das Leben aus dem Unperfektem entstanden ist und trotzdem ein hoher Grad an Perfektion entsteht.&#8220; <\/p>\n<p>Nahezu ideal erscheint Schlingensief ein ehemaliges, inzwischen verfallenes Kolonialhaus. Es geh\u00f6rt der Familie von Marylin Douala Bell. Die Leiterin des einzigen Kunstvereins in der Stadt zeigt der kleinen Expeditionsgruppe die maroden Pagoden. Das verfallene Haus ist au\u00dferdem besetzt und Christoph Schlingensief sofort begeistert. Christoph Schlingensief ist und bleibt ein Vision\u00e4r, auch auf dieser anstrengenden Reise. Ein Suchender, der alles aufnimmt und sich alles vorstellen kann. W\u00e4hrend er das Haus betrachtet, meint er: &#8222;Da, wo der Ventilator steht, da sitze ich dann immer.&#8220; <\/p>\n<p><strong>Douala Bell: Die Kunst verleiht vision\u00e4re Kraft <\/strong><\/p>\n<p>Die Idee von einem Festspielhaus als kulturelles Zentrum begeistert nicht nur die G\u00e4ste aus Deutschland. Auch Marylin Douala Bell ist davon eingenommen. &#8222;Diese Idee des Festspielhauses ist sehr gut&#8220;, sagt sie. &#8222;Wir haben hier so etwas nicht. Ich glaube auch, dass die Welt der K\u00fcnste ein Universum ist, das dem Menschen etwas Grunds\u00e4tzliches gibt: Sie verleiht den Menschen ihre vision\u00e4re Kraft. Sie vermittelt Mitmenschlichkeit und menschliche W\u00fcrde. Ein Opernhaus, so wie es Christoph Schlingensief vorhat, w\u00e4re eine gute Gelegenheit diese Sensibilit\u00e4t zu entfalten, zu vermitteln.&#8220;<\/p>\n<p>Mitgereist sind auch Peter Anders vom Goethe Institut, das das Projekt unterst\u00fctzt, und Matthias Lilienthal vom Theater Hebbel am Ufer. In der Millionenstadt Douala gibt es noch nicht einmal ein Theater. Um so elementarer sind solche Vorhaben. Schlingensief glaubt deshalb, dass die Zukunft des &#8222;Transportmittels Kultur&#8220; darin bestehe, zu sagen: &#8222;wir machen das zusammen und dann hat jeder seine Erinnerungen daran. Diese Erinnerung transportiert sich wie ein Virus, der variiert sich permanent.&#8220; <\/p>\n<p><strong>Peter Anders: Kunst als Dialogform <\/strong><\/p>\n<p>Peter Anders vom Goethe-Institut in Johannesburg meint: &#8222;Das, was ich sch\u00e4tze, ist die Anbindung der Kunst an die soziale Praxis. Das ist hier nat\u00fcrlich in diesem Kontext von besonderer Bedeutung. Da kann Kultur Transportmittel sein als Dialogform, das hei\u00dft in der Begegnung, gemeinsame Dinge zu entwickeln als einen offenen Prozess, Oper zu verstehen.&#8220;<\/p>\n<p>Marylin Douala Bell f\u00fchrt Schlingensief zu einer freien Fl\u00e4che. Schlingensief ist von dem Grundst\u00fcck begeistert. Hier schw\u00e4rmte schon Douala Bells Vater von einer Oper. Ihre Familie ist hoch angesehen. Ihr Urgro\u00dfvater war K\u00f6nig des Douala-Volks zur deutschen Kolonialzeit und Widerstandk\u00e4mpfer. Er wurde von den Deutschen hingerichtet. Die Kolonialvergangenheit ist auch hier ein schweres Erbe. Die Geschichten treiben Christoph Schlingensief in seiner Suche an. Er will mehr davon h\u00f6ren und mehr sehen. Am liebsten sofort weiter reisen. Obwohl vieles schon hier denkbar ist.<\/p>\n<p>Matthias Lilienthal, k\u00fcnstlerischer Leiter des Theaters Hebbel am Ufer in Berlin, erkl\u00e4rt: &#8222;Die Erkrankung hat extrem viel ver\u00e4ndert. Er [Schlingensief] ist mit der Krankheit in einer Art und Weise umgegangen, indem er immer das Gegenteil von dem getan hat, was man normalerweise tut. Jetzt, in einem Moment, in dem er noch schwach ist, sich einer Strapaze wie Afrika auszusetzen, das ist das Moment, aus dem heraus er lebt.&#8220; Ein Festspielhaus in Afrika &#8211; die Suche danach hat f\u00fcr Christoph Schlingensief gerade erst begonnen.<\/p>\n<p><em>Sibylle Dahrendorf f\u00fcr Kulturzeit<\/em><\/p>\n<p>Ausgestrahlt am Donnerstag, 29.1.2009, 19.20 Uhr, 3Sat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief auf Ortsbesichtigung in Kamerun. Beitrag aus 3sat Kulturzeit vom 29.01.2009<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/317"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=317"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/317\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}