{"id":310,"date":"2008-12-20T22:41:10","date_gmt":"2008-12-20T20:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=310"},"modified":"2008-12-20T22:41:10","modified_gmt":"2008-12-20T20:41:10","slug":"gott-ist-ein-gescheiterter-kunstler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=310","title":{"rendered":"\u00bbGOTT IST EIN GESCHEITERTER K\u00dcNSTLER\u00ab (KDA)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Patti Smith und Christoph Schlingensief \u00fcber Kunst und Religion<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Von Elisabeth Noske (KNA)<\/em><\/p>\n<p>M\u00fcnchen (KNA) Beide reden oft \u00fcber Gott. Am Sonntagnachmittag taten es die amerikanische Rockpoetin Patti Smith und der Allround-K\u00fcnstler Christoph Schlingensief \u00f6ffentlich im M\u00fcnchner Haus der Kunst. \u00dcber \u00abKunst, Spiritualit\u00e4t und Religion\u00bb tauschten sich die zwei aus. Es wurde ein sehr pers\u00f6nlicher Talk, moderiert vom Chef des Hauses, Chris Dercon. Beide Gespr\u00e4chspartner eint, dass ihnen oft ihre Kunst half, Tod, Angst und Krankheit zu bestehen. Die 61-j\u00e4hrige Smith wurde vom Leben gebeutelt. Dem schmal gewordenen Schlingensief (48) steht sein Kampf gegen den Lungenkrebs ins Gesicht geschrieben.<\/p>\n<p>Die Identifikation mit Christus als Leidendem oder Erl\u00f6ser bestimmt wie etwa bei Joseph Beuys (1921 bis 1986) auch in der Moderne k\u00fcnstlerisches Selbstverst\u00e4ndnis. Dazu aber kommt die konsequente Ablehnung bestimmter kirchlicher Praktiken. Woran liegt das? An den<br \/>\n\u00fcberkommenen Kirchenvorstellungen von K\u00fcnstlern oder ihrem Bem\u00fchen echte Gef\u00fchle bildhaft zu gestalten? \u00abIch habe immer noch Schwierigkeiten mit Jesus und der Kirche\u00bb, wirft Schlingensief ein. Kirche erinnere ihn allzu sehr an einen \u00abKost\u00fcmball\u00bb.<\/p>\n<p>Lange sei er Ministrant gewesen und habe sich bis zu Beginn seiner Krankheit in der Kirche sehr geborgen gef\u00fchlt. Schlingensief fehlt im Alltag der Kirche heute, dass \u00abdas Liebesbed\u00fcrfnis nicht ernst genommen\u00bb wird. Seine Theaterarbeit sei ihm Kirche &#8211; ein Ort, wo der Schmerz zelebriert, gebannt und m\u00f6glicherweise verwunden wird. Dort k\u00f6nnten Kunstwerke ihre heilenden, heilsamen Kr\u00e4fte entfalten. \u00abSo sch\u00f6n wie hier auf der Erde, ist es nicht im Himmel\u00bb, sagt er. Seine gr\u00f6\u00dfte Freiheit findet Schlingensief heute darin, sich keine Sorgen mehr \u00fcber \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge machen zu m\u00fcssen. Er will einfach nur leben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/christoph_pattismith.jpg\" width=\"450\" height=\"337\" alt=\"Christoph Schlingensief, 15.12.2008, Haus der Kunst, M&Atilde;&frac14;nchen\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Als Esoteriker wollen beide K\u00fcnstler nicht gesehen werden. Schlingensief betont seine Mitgliedschaft in der katholischen Kirche. Auch Jesus habe den Prozess des Scheiterns erlebt. Gott sei ein \u00abgescheiterter K\u00fcnstler, der nicht sterben kann und deshalb den Menschen braucht\u00bb. Schlingensief sagt, wenn ihm eine Situation fr\u00fcher aussichtslos erschien, habe er gedacht: \u00abDann bringe ich mich halt um.\u00bb Seit seinen Erfahrungen mit der Krankheit wei\u00df er, dass man viel aushalten kann.<\/p>\n<p>\u00abSterbehilfe\u00bb sei eine zu plumpe Sache, aber wenn einer wirklich gehen wolle, m\u00fcsse man das respektieren, findet er. Schlingensief w\u00fcnscht sich eine bessere Ausbildung der \u00c4rzte, damit diese die Grenzen der Medikation und des individuellen Lebens genauer wahrnehmen lernten. Gegen \u00e4rztlichen Rat will der K\u00fcnstler wieder st\u00e4rker aktiv werden und nach Afrika reisen. Dort plant er ein Festspielhaus in der W\u00fcste. Fantasie und Lebendigkeit sollen wachgerufen werden und die Angst nehmen. Zum Schluss erhob sich Patti Smith und sang ihrem Gegen\u00fcber zur Genesung ihren Song \u00abDesire\u00bb. Mehr kann man wohl nicht tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patti Smith und Christoph Schlingensief \u00fcber Kunst und Religion<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/310"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=310"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/310\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}