{"id":300,"date":"2008-11-10T12:31:35","date_gmt":"2008-11-10T10:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=300"},"modified":"2008-11-10T12:31:35","modified_gmt":"2008-11-10T10:31:35","slug":"der-konig-wohnt-in-mir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=300","title":{"rendered":"\u00bbDER K\u00d6NIG WOHNT IN MIR\u00ab AM ZKM KARLSRUHE"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu sehen im Rahmen der Ausstellung &#8222;Medium Religion&#8220; am ZKM Zentrum f\u00fcr Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe, 22.11.2008 bis 19.5.2009<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"30\" border=\"0\"\/><br \/>\nDie religi\u00f6sen Bewegungen der Gegenwart operieren in erster Linie mit Bildern, die sich mittels der Massenmedien fast augenblicklich \u00fcber die ganze Welt verbreiten lassen. Die elektronischen Bildmedien Video und Fernsehen sind zu den ausgesuchten Medien der religi\u00f6sen Propaganda geworden, da sie sich besonders schnell produzieren und verbreiten lassen. Die R\u00fcckkehr der Religionen, von der man heute spricht, bedeutet also nicht unbedingt, dass heutzutage mehr Menschen gl\u00e4ubig geworden sind, sondern vielmehr, dass sich die Religionen aus der privaten Sph\u00e4re des pers\u00f6nlichen Glaubens heraus in die \u00f6ffentliche Sph\u00e4re der visuellen Kommunikation bewegt haben. Die Religionen funktionieren dabei zum einen als repetitive Maschinerien zur massenmedialen Verbreitung von mechanisch produzierten Bildern.<\/p>\n<p>Zum anderen hat diese Repetition ihr Vorbild in der Wiederholbarkeit des religi\u00f6sen Rituals, das der Entstehung aller sp\u00e4teren medialen Techniken der Reproduktion zu Grunde liegt. Die urspr\u00fcnglichen Medien der Religion waren die Schrift und das Buch mit der gleichen Aufgabe der Verbreitung des Glaubens. Der Text diente allerdings auch dazu, den Glauben zu kanonisieren. Ohne Schrift keine Kirche, ohne Schriftrollen kein Glauben. Die Religion war also von Anfang an nicht nur an Medien gebunden, sondern war vielmehr durch den Anspruch der Wiederholbarkeit, den das Ritual verk\u00f6rperte, selbst ein Medium. Die Religion bediente sich also nicht nur der Medien Schrift und Bild, sondern ist selbst ein Medium: Die Religion als Medium komplementiert die Medien als Religion.<\/p>\n<p>Die Ausstellung Medium Religion m\u00f6chte diese mediale Seite der Religion anhand aktueller Beispiele der religi\u00f6sen Propaganda wie auch anhand einzelner Werke zeitgen\u00f6ssischer K\u00fcnstler veranschaulichen. Der Horizont der Religion hat sich durch die Entwicklung der elektronischen Medien enorm erweitert. Die unaufwendige Speicherung der Botschaft (z.B. der Videobotschaft), die schnelle Verbreitung und die gro\u00dfe, beinahe globale Reichweite (z.B. Fernsehen, Internet) lieferten das technische Fundament f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Religionen in das \u00f6ffentliche Bewusstsein. Da die Massenmedien das \u00f6ffentliche Bewusstsein konstituieren, ist es nur logisch, auch die Religion, wenn sie sich der Massenmedien bedient (z.B. die \u00dcbertragung einer Papst-Messe aus Rom), wieder mehr ins \u00f6ffentliche Bewusstsein r\u00fcckt. Die Folge davon ist die Aufwertung auch minorit\u00e4rer Glaubenserkenntnis und Glaubensbotschaften.<\/p>\n<p>Gezeigt werden u.a. Selbstm\u00f6rderbekenntnisse religi\u00f6s inspirierter Terroristen, religi\u00f6s-propagandistische TV-Serien und Dokumentationen \u00fcber aktuelle Sekten und Glaubensgemeinschaften. Die k\u00fcnstlerischen Arbeiten, die neben diesen Dokumentationen gezeigt werden, entstammen meist demselben Zusammenhang wie die von ihnen thematisierten religi\u00f6sen Bewegungen und stehen den religi\u00f6sen Ritualen, Bildern und Texten der jeweiligen Kultur weder affirmativ noch kritisch, sondern eher blasphemisch gegen\u00fcber. Sie stellen die religi\u00f6se Symbolik der jeweiligen Kultur in einen unkonventionellen Kontext, um eine andere Wahrnehmung zu provozieren. So wird sowohl eine kritische Analyse der jeweiligen religi\u00f6sen Ikonographie als auch ihre \u00dcberf\u00fchrung in die kulturelle Moderne m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Als ureigenes Thema der Religion wird der Tod in der Ausstellung thematisiert &#8211; und zwar als Folge eines politischen, k\u00fcnstlerischen oder privaten Martyriums, wie es heute im politischen Bewusstsein der s\u00e4kularen Moderne eine zentrale Rolle spielt. In der Ausstellung wird beispielhaft gezeigt, wie die Ikonographie dieser zivilen Religion ritualisiert und k\u00fcnstlerisch dargestellt wird und wie sie funktioniert.<\/p>\n<p>Die Ausstellung Medium Religion gibt einen umfassenden Einblick in die mediale Reproduktion und Bedeutung von Religion wie sie sich heute insbesondere an geopolitischen Brennpunkten wie dem Mittleren Osten, Asien, Russland, USA und S\u00fcdamerika manifestiert. Vieles wird erstmalig in Deutschland zu sehen sein und speziell f\u00fcr die Ausstellung wissenschaftlich aufbereitet oder neu produziert.<\/p>\n<p>Begleitend zum Projekt wird eine Publikation mit wissenschaftlichen Beitr\u00e4gen zum Thema und einer Dokumentation der Ausstellung erscheinen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"30\" border=\"0\"\/><br \/>\n<strong>Der K\u00f6nig wohnt in Mir<\/p>\n<p>22.11.2008 bis 19.5.2009<\/p>\n<p>ZKM<br \/>\nZentrum f\u00fcr Kunst und Medientechnologie Karlsruhe<\/strong> <\/p>\n<p>Lorenzstra\u00dfe 19<br \/>\n76135 Karlsruhe<\/p>\n<p>\u00d6ffnungszeiten:<br \/>\nMi &#8211; Fr 10 &#8211; 18 Uhr<br \/>\nSa &#8211; So 11 &#8211; 18 uhr<br \/>\nMo, Di geschlossen<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zkm.de\">www.zkm.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu sehen im Rahmen der Ausstellung &#8222;Medium Religion&#8220; am ZKM Zentrum f\u00fcr Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe, 22.11.2008 bis 19.5.2009<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/300"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=300"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/300\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}