{"id":30,"date":"2005-09-06T13:11:43","date_gmt":"2005-09-06T11:11:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=4"},"modified":"2005-09-06T13:11:43","modified_gmt":"2005-09-06T11:11:43","slug":"schlingensief-willkommen-im-parsipark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=30","title":{"rendered":"Schlingensief: Willkommen im &#8222;Parsipark&#8220;!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schlingensief: Willkommen im &#8222;Parsipark&#8220;!<\/strong><\/p>\n<p>DER STANDARD vom 6. September 2005<\/p>\n<p><em>von Joachim Lange<\/em><\/p>\n<p>Neuhardenberg \u2013 Es gab Zeiten, da hat Christoph Schlingensief vor der Bundestagswahl eine Partei gegr\u00fcndet und mit dieser Chance 2000 genau die Chance genutzt, die er nicht hatte. Heute beschr\u00e4nkt er sich tagespolitisch auf Zwischenrufe \u2013 in Interviews, die untrennbar mit seinen Aktionen verbunden sind. &#8222;Fahnenflucht 2010&#8220; m\u00fcsste eine solche Partei heute hei\u00dfen, sagte er k\u00fcrzlich, bleibt mit seiner mobilen, gerade in K\u00f6ln stationierten Church of Fear, der &#8222;Kirche der Angst&#8220;, mit einem Fu\u00df dann doch in der Politik, zumindest an ihren unterirdisch sprudelnden mentalen Quellen. Und l\u00e4dt in den Wald nach Neuhardenberg.<\/p>\n<p>Das liegt r\u00e4umlich zwischen Berlin und Frankfurt\/Oder, historisch liegt es zwischen preu\u00dfischer \u00dcberlebensreform, finaler Weltkriegsschlacht, DDR-Regierungsflughafen und intellektuellem Nobel-Nachwenderefugium in der Regie der Sparkassenstiftung. Im Universum des Christoph Schlingensief aber lag es an den beiden letzten Wochenenden irgendwo zwischen Bambiland-Burg, Parsifal-Bayreuth und Odin-Island, hei\u00dft Animatograph, ist begehbar und besteht rigoros auf der Autonomie von Kunst. Inklusive ihrer Selbstbez\u00fcglichkeiten und Grenz\u00fcberschreitungen, die bei allem, was Schlingensief macht, zu den Essentials geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Bevor die Busse vom Schloss zum Flugplatz fuhren, sammelte sich die Fan-Gemeinde wie zur Klassenfahrt. Viele kamen aus Berlin \u2013 und sogar die Rock-Ikone Patti Smith war da. Man freute sich \u00fcber die pers\u00f6nliche Begr\u00fc\u00dfung durch den gut aufgelegten Meister und seine Erl\u00e4uterung des Lageplans f\u00fcr seine begehbare Installation im m\u00e4rkischen Wald, einem Panoptikum der Selbstzitate und Assoziationsw\u00fcrfe, in dem er sich immer noch selbst am besten zurechtfindet.<\/p>\n<p>Hinter den Hangars dann rief der Muezzinlautsprecher vom Schornstein-Minarett zum Dauer-Angstquieken beim Schweineschlachten aus dem Unterholz, sprangen Comicnazis unter den Einweisern herum, spendeten schaurig sch\u00f6ne Wohnzimmerstehlampen Licht an den preu\u00dfischen Waldwegen und konnte man in Bruchst\u00fccken der Bayreuther Parsifal-Installation herumklettern, inklusive &#8222;Gastspiel&#8220; der schwarzen Urmutter zu voll dr\u00f6hnender Erl\u00f6sungsmusik in der miefigen Barackenruine.<\/p>\n<p>Mit Projektion des verwesenden Hasen, versteht sich, und mit Filmschnipseln von der G\u00f6tter- und Mythenexkursion nach Island, einem Hitler-Stalin-Porno und einer zerhackerten Adorno-Ansprache und mit einem Klingsor, der in der Nasa-Garage an seiner Zauberreich-Aufl\u00f6sungsrakete werkelt. Wer &#8222;richtiges&#8220; Theater will, musste es schon selber machen.<\/p>\n<p>Wer noch nie etwas von Schlingensief geh\u00f6rt oder gesehen hat, k\u00f6nnte dieses &#8222;Ende des wohltemperierten Theaters und Beginn der animatographischen Befreiungspolitik&#8220; (so ihr Erfinder) f\u00fcr einen Waldspaziergang mit Geisterbahnschabernack halten. Wer sich aber mit kindlicher Naivit\u00e4t oder als Reisebegleiter der Karawane Schlingensief auf diesen zwei-, dreist\u00fcndigen Ausflug einlie\u00df, der h\u00f6rt in diesem &#8222;Parsipark&#8220; den deutschen Wald rauschen. Das klingt dann so wie der Erl\u00f6sungszauber aus Wagners Parsifal.<!--more--><code><\/code>\t<\/p>\n<li><\/li>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief l\u00e4dt in den &#8222;Parsipark&#8220; nach Neuhardenberg. Dazu ein Artikel vom Joachim Lange aus dem STANDARD vom 6. 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