{"id":279,"date":"2008-08-12T14:19:30","date_gmt":"2008-08-12T12:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=279"},"modified":"2008-08-12T14:19:30","modified_gmt":"2008-08-12T12:19:30","slug":"auf-den-bunten-altaren-der-kunst-faz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=279","title":{"rendered":"AUF DEN BUNTEN ALT\u00c4REN DER KUNST (FRANKFURTER ALLGEMEINE)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nah dem Wiener Stephansdom pr\u00e4sentiert die Charim Galerie, die seit diesem Fr\u00fchjahr auch eine Filiale in Wien betreibt, Kunst von Christoph Schlingensief. Noch bis 13.09.2008 in der Charim Galerie, Wien<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n04. August 2008 Unbeachtet von der \u00d6ffentlichkeit, von Kuratoren oder Museumsleitern fanden in den neunziger Jahren in einem Randbezirk Pekings Performances statt, die starke Ankl\u00e4nge an die westliche Body Art zeigten. Der 1968 geborene K\u00fcnstler Rong Rong dokumentierte damals eigene Aktionen und die seiner Mitstreiter. Seine existentialistisch anmutenden Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen geh\u00f6ren zu den st\u00e4rksten Zeugnissen einer chinesischen Avantgarde. Bereits 1994 hat die Galeristin Sylvie Steinek den Chinesen Rong Rong in Wien ausgestellt, dessen Performance-Fotos \u201eEast Village Beijing\u201c ihn zu einem der gefragtesten K\u00fcnstler seines Landes machten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/74750006.JPG\" width=\"450\" height=\"184\" alt=\"Christoph Schlingensief (Charim Galerie Wien)\"\/ style=\"padding-top:20px;\"\/><\/p>\n<div class=\"bildlegende\" style=\"padding-top:3px;padding-bottom:20px;\">&#8222;Christoph Schlingensief&#8220;, Installationsansicht, Galerie Charim, 2008, Foto: Luca Fabio<\/div>\n<p>In der Gruppenschau \u201eReal Illusion Abandon\u201c zeigt sie jetzt vier eindrucksvolle, 65 mal 45 Zentimeter gro\u00dfe Aufnahmen aus dieser Serie (18.000 Euro). Durch einen Metallschlitz presst Rong Rong seine Zunge, sein Ohr oder eine halbe Hand: Diese Schwarzwei\u00dfbilder von K\u00f6rperfragmenten dr\u00fccken neben dem Verlangen nach Freiheit auch etwas Geheimnisvolles aus. Von Fabrice Langlade stammt das Wandbild \u201eTapis de Guerre\u201c aus flachen Kunstharzfiguren, das zwischen kunsthistorischer Anspielung und Spielzeug changiert (12.000 Euro). Auch die junge israelische K\u00fcnstlerin Zoya Cherkassy holt mit ihren trotzigen Zeichnungen das Kinderzimmer in die Galerie; zu diesem Zweck h\u00e4ngt sie ein Spielzeugferkel mit dem Slogan \u201eMen are pigs\u201c an die Wand.<\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4tswechsel f\u00fcr Vierbeiner<\/strong><\/p>\n<p>Dass M\u00e4nner Hunde sind, hat Katarzyna Kozyra in einer Performance beschlossen, in der sie als die Schriftstellerin Lou Andreas-Salom\u00e9 auftritt; das Video stammt aus der vielteiligen Serie \u201eIn Art Dreams Come True\u201c. Die K\u00fcnstlerin kommt mit zwei Hunden auf die B\u00fchne, deren Gesichtsmasken Friedrich Nietzsche und Paul R\u00e9e gleichen &#8211; wie auf einem ber\u00fchmten Foto mit dem Philosophen, seinem Freund und der jungen Lou Andreas-Salom\u00e9, die eine kleine Peitsche schwingt. Um die Absurdit\u00e4t noch zu steigern, tritt Katarzyna Kozyra in einem Theater voller Hundebesitzer auf, deren Tiere ein lautstarkes Publikum abgeben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/74750014.JPG\" width=\"450\" height=\"184\" alt=\"Christoph Schlingensief (Charim Galerie Wien)\" style=\"padding-top:20px;\"\/><\/p>\n<div class=\"bildlegende\" style=\"padding-top:3px;padding-bottom:20px;\">&#8222;Christoph Schlingensief&#8220;, Installationsansicht, Galerie Charim, 2008, Foto: Luca Fabio<\/div>\n<p>Nah dem Wiener Stephansdom pr\u00e4sentiert die Charim Galerie, die seit diesem Fr\u00fchjahr auch eine Filiale in Wien betreibt, Kunst von Christoph Schlingensief. Als der rasante Theatermacher mit seinem St\u00fcck \u201eArea 7\u201c im Jahr 2006 im Burgtheater gastierte, machte er sich \u00fcber Kollegen wie Hermann Nitsch oder Jonathan Meese lustig. Von der \u00fcberw\u00e4ltigenden Geisterbahn\u00e4sthetik, die diesen Wiener Auftritt pr\u00e4gte, hat seine aktuelle Ausstellung aber nichts mehr: Die Fotoarbeiten, Leuchtk\u00e4sten und Kleininstallationen, bei denen es sich zumeist um Auskopplungen aus anderen Projekten handelt, gestalten sich ganz \u00fcbersichtlich: An Filme von Pasolini und Bu\u00f1uel mahnt der Kreuzweg, den Schlingensief mit Behinderten und Kleinw\u00fcchsigen inszeniert hat (10.000 Euro). Die farbstark strahlenden Fotos in ihren Leuchtk\u00e4sten lassen aber eher an Devotionalien als an Gesellschaftskritik denken; sein prek\u00e4res Verh\u00e4ltnis zum Katholizismus hat Schlingensief ja oft beschrieben.<\/p>\n<p><strong>Ein Provokateur mit Kunsttradition<\/strong><\/p>\n<p>Die Kunstkarriere startete er 1997 auf der Documenta mit der Aktion \u201eMein Filz, mein Fett, mein Hase\u201c. F\u00fcr Aufsehen sorgte er dann auch auf der Biennale in Venedig 2003 mit der Performance \u201eChurch of Fear\u201c, die Paranoia und Religiosit\u00e4t in Zeiten des Terrorismus zum Thema hatte: In der Ausstellung erinnert ein Holzkirchlein im Modellformat an die schlichten Glaubensh\u00e4user des nordamerikanischen Protestantismus. Ein wenig von der Trash-Verliebtheit fr\u00fcherer Arbeiten findet sich in dem Altar wieder, den Schlingensief Lady Diana widmet. Auf integrierten Miniscreens flimmern dort Horrorszenen, in denen ein Double der Prinzessin blutgetr\u00e4nkt auftritt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/carim_01_34.jpg\" width=\"450\" height=\"361\" alt=\"Christoph Schlingensief (Charim Galerie Wien)\" style=\"padding-top:20px;\"\/><\/p>\n<div class=\"bildlegende\" style=\"padding-top:3px;padding-bottom:20px;\">&#8222;Church of Fear&#8220;, Christoph Schlingensief, 2003, Galerie Charim, 2008, Foto: Luca Fabio<\/div>\n<p>Das Zentrum des skurrilen Aufbaus \u201eLittle Shrine\u201c bildet ein Vogelk\u00e4fig, der offensichtlich f\u00fcr das Leben der Prinzessin steht. In eine Art Kolonialsalon f\u00fchrt die gr\u00f6\u00dfte Installation der Schau, in der sechs falsche Kamine aufgebaut sind. Anstelle des offenen Feuers finden sich dort Bildschirme, die den Betrachter mit auf Schlingensiefs Reise nach Nepal nehmen. Bei hinduistischen Bestattungsritualen wird in den Ged\u00e4rmen eines Ochsen gew\u00fchlt, w\u00e4hrend der K\u00fcnstler im wei\u00dfen Anzug wie ein Ethnologe des 19. Jahrhunderts auftritt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/carim_01_45.jpg\" width=\"450\" height=\"347\" alt=\"Christoph Schlingensief (Charim Galerie Wien)\" style=\"padding-top:20px;\"\/><\/p>\n<div class=\"bildlegende\" style=\"padding-top:3px;padding-bottom:20px;\">&#8222;Little Shrine&#8220;, Christoph Schlingensief, 2006, Galerei Charim, 2008, Foto: Luca Fabio<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/carim_01_95.jpg\" width=\"450\" height=\"337\" alt=\"Christoph Schlingensief (Charim Galerie Wien)\" style=\"padding-top:20px;\"\/><\/p>\n<div class=\"bildlegende\" style=\"padding-top:3px;padding-bottom:20px;\">&#8222;Christoph Schlingensief&#8220;, Installationsansicht, Galerie Charim, 2008, Foto: Luca Fabio<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n&#8222;Real Illusion Abandon&#8220; bei der Galerie Steinek bis zum 14. August<\/p>\n<p>Christoph Schlingensief bei der Galerie Charim bis zum 13. September<\/p>\n<p><em>Text: F.A.Z., Von Nicole Scheyerer, Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nah dem Wiener Stephansdom pr\u00e4sentiert die Charim Galerie, die seit diesem Fr\u00fchjahr auch eine Filiale in Wien betreibt, Kunst von Christoph Schlingensief. Noch bis 13.09.2008 in der Charim Galerie, Wien<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/279"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=279"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/279\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}