{"id":27,"date":"2005-06-07T11:07:59","date_gmt":"2005-06-07T09:07:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=27"},"modified":"2005-06-07T11:07:59","modified_gmt":"2005-06-07T09:07:59","slug":"odins-auge-erste-animatographische-projektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=27","title":{"rendered":"Odins Auge &#8211; Erste animatographische Projektion"},"content":{"rendered":"<p><strong>G\u00f6tter, Gral und die goldene Zeit der Hippies<\/strong><\/p>\n<p>Kunst-Superstars basteln eine vergn\u00fcgliche Ausstellung. Ein Projekt zwischen Puppenspiel und Rockoper punktet vor allem mit Livemusik.<\/p>\n<p><em>VON WALTER TITZ<\/em><\/p>\n<p>Gehen Sie da rein! Sie m\u00fcssen da rein gehen. Und drehen!&#8220; Christoph Schlingensief macht seinem Ruf, begeisterungsf\u00e4hig zu sein, alle Ehre. Auf dem Dachboden eines Wiener Stadtpalais. Dort hat das deutsche Multitalent mit stetem Aufregungspotenzial &#8222;Odins Auge&#8220; installiert. Teil der aktuellen Arbeit &#8222;Animatograph&#8220;, Folge von Schlingensiefs Befassung mit Richard Wagners &#8222;Parsifal&#8220; (den er 2004 in Bayreuth inszenierte).<\/p>\n<p>Zwischen Spinnweben, wuchtigen Balken, schon vorhandenen Waschmaschinen und Klomuscheln dreht sich alles um germanische G\u00f6tter. Im Wortsinn: Die Projektionsfl\u00e4chen sind teils an W\u00e4schest\u00e4ndern &#8211; &#8222;Drehen Sie selbst!&#8220; &#8211; montiert. Da werden Fische zu Penissen und &#8222;das Gute&#8220; tritt im auf Island gedrehten Video als afrikanischer Strau\u00df verkleidet auf. Lustvoll-respektloser Umgang mit G\u00f6ttern und Gral, ver\u00e4stelt in Zeit und Raum.<\/p>\n<p>&#8222;Odins Auge&#8220; ist kurzfristig improvisierter Teil der Schau &#8222;Puppets &#038; Heavenly Creatures&#8220;. Ebenfalls direkt unter dem Dach l\u00e4sst John Bock mittels Periskop in das &#8222;Dada-Chaos&#8220; einer Wohnh\u00f6hle blicken. Zwei Geschosse darunter geht es um amerikanische G\u00f6tter- und Heldensagen. In einer von Dan Graham dominierten Materialsammlung zum Thema 1960er-Jahre. Die Nummer 42 des Capital-Kunstkompasses 2004 und seine Kollegen Paul McCarthy (Rang 30), Tony Oursler (61), Jason Rhoades (76) und Rodney Graham (84) erinnern sich mit Bildern, Videos und Objekten der goldenen Tage der Jugendrebellion. Mit durchaus gemischten Gef\u00fchlen, wie Graham bei der Pr\u00e4sentation mit stiller Ironie feststellte: &#8222;Wir waren alle Hippies. Jetzt sind wir es nicht mehr.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Puppets &#038; Heavenly Creatures&#8220; ist unmittelbar verkn\u00fcpft mit &#8222;Don&#8217;t Trust Anyone Over Thirty&#8220;, Multimedia-Spektakel von Dan Graham, Tony Oursler und Rodney Graham. Darin wird Rockstar Neil Sky, 24, US-Pr\u00e4sident, l\u00e4sst alle \u00fcber drei\u00dfig in komfortablen Internierungsresidenzen unter Drogen setzen, um schlie\u00dflich vom Adoptivsohn Dylan, 8, entmachtet zu werden.<\/p>\n<p>Puppen, Projektionen und Livemusik (fabelhaft das Duo &#8222;Japanther&#8220;) machen die inhaltlich ziemlich d\u00fcnne 50-Minuten-Collage durchaus vergn\u00fcglich.<\/p>\n<p>Puppets &#038; Heavenly Creatures. T-B A 21, Wien, Himmelpfortgasse 13. Bis 29. Juli. <a href=\"http:\/\/www.TBA21.org\">www.TBA21.org<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6tter, Gral und die goldene Zeit der Hippies Kunst-Superstars basteln eine vergn\u00fcgliche Ausstellung. Ein Projekt zwischen Puppenspiel und Rockoper punktet vor allem mit Livemusik. VON WALTER TITZ Gehen Sie da rein! Sie m\u00fcssen da rein gehen. Und drehen!&#8220; Christoph Schlingensief macht seinem Ruf, begeisterungsf\u00e4hig zu sein, alle Ehre. 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