{"id":249,"date":"2007-11-05T11:45:55","date_gmt":"2007-11-05T09:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=249"},"modified":"2007-11-05T11:45:55","modified_gmt":"2007-11-05T09:45:55","slug":"ausbruche-aus-der-normalitat-oberlander-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=249","title":{"rendered":"AUSBR\u00dcCHE AUS DER NORMALIT\u00c4T (OBERL\u00c4NDER ZEITUNG)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Urspr\u00fcnglich war Christoph Schlingensief Filmer, und zu diesem Metier ist er jetzt wieder zur\u00fcckgekehrt. Das zeigt seine Ausstellung \u00abQuerverst\u00fcmmelung\u00bb im Migros- Museum in Z\u00fcrich.<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Von Karl W\u00fcst<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nNichts scheut Christoph Schlingensief mehr als die Endg\u00fcltigkeit, die Perfektion &#8211; oder, wie er sagt: \u00abdie Erl\u00f6sung\u00bb. Scheitern ist sein Metier, die Aufhebung von Raum und Zeit oder eben die permanente Ver\u00e4nderung der Perspektive. \u00abMeine Arbeit hat immer mit dem Blickwechsel zu tun\u00bb, sagt er. Aber gerade in der Zerst\u00f6rung liegt das, was den K\u00fcnstler vor allem interessiert: die Kreativit\u00e4t, die Neusch\u00f6pfung, der Ausbruch aus der Normalit\u00e4t. Das glaubt man Schlingensief aufs Wort. Der Gang durch seine Ausstellung ist wie eine Fahrt durch eine Geisterbahn: Abgedunkelt ist der Weg und voller \u00dcberraschungen, Stolpersteine, Unklarheiten, Verwirrungen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass man kaum fertige Werke zu Gesicht bekommt, sondern fliessende Gebilde, prozesshaft hingebaute, chaotische Installationen, und vor allem gebrochene, doppelbelichtete Filme und Filmausschnitte.<\/p>\n<p>Weder Skandal noch Provokation<\/p>\n<p>Christoph Schlingensief ist vor allem als Theater- und Opernregisseur bekannt geworden. Meist wird der Name des 1960 im deutschen Oberhausen geborenen Schlingensief mit \u00abSkandal\u00bb, \u00abProvokation\u00bb in Verbindung gebracht. Man denke nur an seine Anti-SVP-Aktion in Z\u00fcrich von 2001 oder an seine Inszenierungen am hiesigen Schauspielhaus: \u00abHamlet\u00bb (2001) mit ausstiegswilligen Neonazis oder \u00abAttabambi-Pornoland\u00bb (2004). Nichts von dem in der Ausstellung, in welcher nur gerade der Titel \u00abQuerverst\u00fcmmelung\u00bb allenfalls etwas zu schockieren vermag. Eigentlich seien ja auch Schlingensiefs Theaterinszenierungen in erster Linie bildende Kunst, sagte die Museumsleiterin Heike Munder anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung. F\u00fcr sie Grund also, den beredten K\u00fcnstler ins Ausstellungsprogramm aufzunehmen.<\/p>\n<p>Drei Installationen und weitere kleinere Arbeiten hat Schlingensief nach Z\u00fcrich gebracht: Zuerst betritt man \u00abKaprow City\u00bb (2006), eine mit sechs Kinos ausgestattete installative Hommage an den amerikanischen K\u00fcnstler Allan Kaprow, den Erfinder der Kunstform \u00abHappening\u00bb. Darin integriert hat Schlingensief einen doppelbelichteten Film seines Vaters Hermann Josef Schlingensief (1967\/68), in dem der Knabe Christoph die Hauptrolle spielt.<br \/>\nGewaltig steht das \u00abAbendmahl\u00bb (2007) im Raum: Jesus und die zw\u00f6lf Apostel, auf deren B\u00e4uchen zerfallende Kopien von 16-mm-Filmen flimmern. Entstanden sind die Filme in der brasilianischen Stadt Man\u00e1os (Manaus) w\u00e4hrend der Vorbreitungszeit zu Schlingensiefs Operninszenierung von Wagners \u00abFliegendem Holl\u00e4nder\u00bb.<\/p>\n<p>Fahrt im Behindertenlift<\/p>\n<p>Die dritte Installation heisst \u00abGold Maria\u00bb (2007). Sie besteht aus den Filmausschnitten \u00abAfrican Twintowers\u00bb, die Schlingensief in L\u00fcderitz (Namibia) gedreht hat und hier als 80-min\u00fctiges unfertiges Filmwerk im Schneideprozess vorstellt, und der \u00abOkularfassung 1 mit Treppenlift\u00bb. Letztere Arbeit l\u00e4sst einen schmunzeln. In einem Behindertenlift f\u00e4hrt man die Wand hoch zu einem K\u00e4stchen, wo man \u00abganz f\u00fcr sich\u00bb ein Bild betrachten kann. Der Ausstieg aus der Normalit\u00e4t er\u00f6ffnet neue, individuelle Perspektiven, auch hier.<\/p>\n<p>Bis 3. Februar. \u00d6ffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 12 bis 18 Uhr, Donnerstag 12 bis 20 Uhr, Wochenende 11 bis 17 Uhr. www.migrosmuseum.ch .<\/p>\n<p>www.migrosmuseum.ch<\/p>\n<p>Oberl\u00e4nder Zeitung, Z\u00fcrich, 5.11.07<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief stellt im Migros-Museum aus<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/249"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=249"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/249\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}