{"id":225,"date":"2007-07-25T22:02:16","date_gmt":"2007-07-25T20:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=225"},"modified":"2007-07-25T22:02:16","modified_gmt":"2007-07-25T20:02:16","slug":"o-navio-fantasma-de-christoph-schlingensief-na-amazonia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=225","title":{"rendered":"O NAVIO FANTASMA DE CHRISTOPH SCHLINGENSIEF NA AMAZ\u00d4NIA"},"content":{"rendered":"<p><strong>O Navio Fantasma de Christoph Schlingensief na Amaz\u00f4nia \u2013 assimila\u00e7\u00e3o cultural \u2013 Deutsche \u00dcbersetzung des Artikels aus dem CONCERTO Magazin<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Von Klaus Billand<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n10. Juni 2007 \u2013 Christoph Schlingensief, der deutsche Aktionsk\u00fcnstler, der seit seiner unkonventionellen Inszenierung von Richard Wagners Parsifal bei den Bayreuther Festsspielen 2004 f\u00fcr nicht enden wollende Kontroversen \u00fcber die Grenzen des Wagnerschen Regietheaters sorgt, hat nun beim XI. Festival Amazonas de Opera (FAO) seine zweite Wagner-Oper inszeniert, den Fliegenden Holl\u00e4nder. Es war ein kulturelles Grossereignis nicht nur f\u00fcr Manaus. Die Wellen des gewaltigen Rio Negro schlugen diese exotische Neuigkeit bis in die Hochburgen des Opern-Mainstreams in Europa, wo die wichtigsten Kultursendungen im deutschsprachigen TV, Titel, Thesen, Temperamente; Kulturzeit und Lebens.art ausf\u00fchrlich berichteten. Es ist bedauerlich, dass diese Sendungen sowie die wichtigsten deutschen Zeitungen und Radiosender erst aus Anlass des Auftritts von Schlingensief ihre Korrespondenten nach Manaus entsandten, obwohl im Teatro Amazonas bereits seit 1997 das einzige grosse Opernfestival unter dem \u00c4quator stattfindet und seitdem hier unter schwierigsten finanziellen Bedingungen ernsthafte k\u00fcnstlerische Arbeit geleistet wird. So wurde nun auch in Europa endlich weithin bekannt, dass man in Manaus 2005 die erste brasilianische Ring-Produktion zu Stande gebracht und gleich zweimal, wie in Bayreuth, zyklisch aufgef\u00fchrt hatte. Damals war nat\u00fcrlich erwartet worden, den Ring am Amazonas mit Indianern und Urwald-\u00c4sthetik \u00e0 la Il Guarani von Carlos Gomes zu erleben, also unter Einbeziehung regionaler Natur- und Kulturelemente, Mythen und Sagen. <\/p>\n<p>Genau das trat 2005 aber nicht ein. Erst Schlingensief brachte nun die \u00fcberzeugende Assimilation des Holl\u00e4nder-Stoffes mit der Geschichte und Lebensweise, sowie den Traditionen, Mythen, Hoffnungen und \u00c4ngsten der hier lebenden Menschen schl\u00fcssig und \u00fcberzeugend in sein k\u00fcnstlerisches Konzept ein. In seiner offenen und absorptiven Art tat er nach Ankunft in Brasilien und in den acht langen Wochen seines Aufenthalts in Manaus und Umgebung das f\u00fcr Ausl\u00e4nder genau Richtige: seinen eigenen kulturellen Ballast vergessen, Augen und Ohren \u00f6ffnen, die Authentizit\u00e4t der Informationen aus allen Bev\u00f6lkerungsschichten ungefiltert auf sich wirken lassen und nicht zuletzt das Umfeld mit seinen hier besonders vielen Facetten akribisch studieren. Dann bei der k\u00fcnstlerischen Arbeit den Mitwirkenden viel Spielraum f\u00fcr eigene Entfaltungsm\u00f6glichkeiten und ihre sprichw\u00f6rtliche Improvisationskunst lassen. All dies verlangt ein H\u00f6chstmass an k\u00fcnstlerischer Sensibilit\u00e4t, sozialer Kompetenz und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, die f\u00fcr das Schaffen europ\u00e4ischer Opern-Regisseure in Brasilien nicht selbstverst\u00e4ndlich sind, wenn sie sich denn \u00fcberhaupt hierher verlieren. Schlingensiefs Lohn war &#8211; nach durchaus nennenswerten Anfangsschwierigkeiten &#8211;  eine ungeahnte Mobilisation lokaler Kr\u00e4fte und Motivation, bis hin zu einem selbst f\u00fcr Manaus beachtlichen Aufmarsch der Sambaschulen rund um den Holl\u00e4nder herum und sogar im Theater selbst. Er schaffte im Rahmen seines weit gef\u00e4cherten Assoziationstheaters eine bemerkenswerte Symbiose des Holl\u00e4nder-Stoffes mit nationaler Volkskunst vom Samba in Rio \u00fcber nationale und regionale Mythen und Rituale bis hin zu Boi Bumb\u00e1 in Parintins. Trotz der erwartet unkonventionellen Lesart ist Schlingensiefs Holl\u00e4nder dabei stringenter und viel n\u00e4her am Werk inszeniert als sein Bayreuther Parsifal. Es gelingt ihm und seinem Dramaturgen Matthias Pees, durch eine intensive Dramaturgie die Nummernhaftigkeit des Fliegenden Holl\u00e4nders nahezu vollst\u00e4ndig aufzuheben. Damit nehmen sie im Prinzip das erst sp\u00e4ter von Wagner zu voller Reife gef\u00fchrte Konzept des Gesamtkunstwerks auf Regieebene vorweg. Mit dieser Integration der \u201eNummern\u201c in den hier besonders intensiv fortlaufenden Handlungsstrang ersetzt Schlingensief in seinem Holl\u00e4nder von Manaus gewisserma\u00dfen die in diesem Werk noch nicht vorhandene \u201eendlose Melodie\u201c Wagners durch die \u201eendlose Geschichte\u201c&#8230; <\/p>\n<p>M\u00f6ge die nun in Manaus gelungene Assimilation europ\u00e4ischer Musiktheaterregie mit s\u00fcdamerikanischer Kultur auch eine \u201eunendliche Geschichte\u201c werden. Christoph Schlingensief hat gezeigt, wie es gehen k\u00f6nnte. Beide Kulturr\u00e4ume k\u00f6nnten dabei viel gewinnen.<\/p>\n<p><em>Klaus Billand \u00e9 jornalista da revista austr\u00edaca \u201eDer Neue Merker\u201c, Viena (www.der-neue-merker.at)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>O Navio Fantasma de Christoph Schlingensief na Amaz\u00f4nia \u2013 assimila\u00e7\u00e3o cultural \u2013 Deutsche \u00dcbersetzung des Artikels aus dem CONCERTO Magazin<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/225"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=225"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/225\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}