{"id":214,"date":"2007-05-22T14:00:09","date_gmt":"2007-05-22T12:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=214"},"modified":"2007-05-22T14:00:09","modified_gmt":"2007-05-22T12:00:09","slug":"18-bilder-pro-sekunde-pressemeldung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=214","title":{"rendered":"18 BILDER PRO SEKUNDE (PRESSEMELDUNG)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Film-, Theaterregisseur und K\u00fcnstler Christoph Schlingensief zeigt im Haus der Kunst seine Installation &#8222;18 Bilder pro Sekunde&#8220;, die eigens f\u00fcr die ehemalige Ehrenhalle entsteht.<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n&#8222;Immer wieder kommt es vor, dass man mich mit dem Theaterregisseur verwechselt. Ich komme aber vom Film, nicht vom Theater. Und ich erinnere mich gern an die Zeit, als ausschlie\u00dflich auf Super-8\/16 mm oder 35 mm gedreht wurde. An die Zerst\u00f6rung des Negativs. An die \u00dcbermalung der Erinnerung. An die M\u00f6glichkeit, das Material Jahre sp\u00e4ter zu sehen, wenn es wie eine abgenutzte Netzhaut zerkratzt, abgel\u00f6st oder wie von Blitzen beschossen aussah. Alles was das Auge macht, macht auch das Filmmaterial. Und da ich gerade in Manaus eine weitere Oper von Richard Wagner dem Volk \u00fcbergebe, werde ich im Haus der Kunst auf meine zerst\u00f6rte Vergangenheit hinweisen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/DSCF4466.JPG\" width=\"337\" height=\"450\" alt=\"Aufbau der Installation im Haus der Kunst M&Atilde;&frac14;nchen\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p> 18 Loops, Filmloops &#8230; zerst\u00f6rbar, knatternd, riechend &#8230; kein digitales Nichts.<br \/>\nAber ein Bekenntnis zum verlorenen roten Faden.<br \/>\nDie Prozession der Blinden.<br \/>\nDie Auferstehung der Toten.<br \/>\nDie Erkenntnis, dass kein Toter b\u00f6se sein wird.<br \/>\nDie Freude, dass Gott nicht sterben kann.<br \/>\nWir aber schon. Das macht uns zum Film. 18 Hoffnungsbilder und 18 mal der Tod.&#8220;<br \/>\n<em>(Schlingensief)<\/em><\/p>\n<p>Seit zwei Jahren setzt sich Christoph Schlingensief wieder st\u00e4rker mit dem Medium Film auseinander; in seiner Arbeit f\u00fcr das Haus der Kunst spiegelt sich das deutlich wider. Zwei filmische Werkkomplexe stehen im Zentrum: African Twin Towers sowie Kurzfilme, die derzeit w\u00e4hrend der Regiearbeit f\u00fcr den Fliegenden Holl\u00e4nder am Teatro Amazonas in Manaus, Brasilien entstehen.<\/p>\n<p>Christoph Schlingensief zeigt die ungeschnittene Version seines Films African Twin Towers. Darin geht es um Richard Wagner, den Anschlag vom 11. September, Hagen von Tronje, Odin und Edda, lebende Hereros (Angeh\u00f6rige eines afrikanischen Hirtenvolks) und tote, Geister der Gegenwart und der Vergangenheit. &#8222;Drehort&#8220; ist eine &#8222;sich drehende Scheibe&#8220;, von Schlingensief &#8222;Animatograph&#8220; genannt, auf der ein Schiff mit zwei Masten steht. An diesen Masten h\u00e4ngen die Twin Towers. Das alles stand in L\u00fcderitz in Namibia, der ehemaligen Kolonie Deutsch-S\u00fcdwestafrika. Inszeniert wird deutsche Gegenwart. Jeden Tag wird der Film von Neuem begonnen, unter st\u00e4ndiger Beobachtung diverser Kameras. Schlingensief ist diesmal alles: Regisseur, Schauspieler und einer von vier Kameraleuten. Er verbindet die nordische, europ\u00e4ische Sagenwelt mit afrikanischem<br \/>\nSchamanentum und der Gegenwart, die Musik von Patti Smith mit Texten von Elfriede Jelinek und dem Spiel der Fassbinder-Schauspielerin Irm Hermann. Gleichzeitig entwirft er ein Portr\u00e4t der Allt\u00e4glichkeit, in dem u.a. auch &#8222;Helden&#8220; der Politik auftreten. Er ist, metaphorisch ausgedr\u00fcckt, st\u00e4ndig auf der Suche nach Auf- und Entladungen, nach Hell-<br \/>\nDunkel-Kontrasten.<\/p>\n<p>In Manaus dreht Schlingensief in Zusammenhang mit seiner Arbeit am Fliegenden Holl\u00e4nder zahlreiche Kurzfilme. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Erl\u00f6sungsgedanke. Dieses Thema hat Richard Wagner fortw\u00e4hrend besch\u00e4ftigt, und noch in seiner letzten Oper, Parsifal (1882), die Schlingensief 2004 f\u00fcr die Bayreuther Festspiele inszeniert hat, suchte er es zu bew\u00e4ltigen. Nach Schlingensief sucht der Fliegende Holl\u00e4nder ein Bild, das ihn erl\u00f6st, und findet es nicht. Auch Senta als ihn liebende Frau hat ein Bild, das sie eingel\u00f6st haben will, und wird damit nicht gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Die Filme bettet Schlingensief in eine Installation ein, die von einer \u00fcberdimensionalen Abendmahlszene mit Mohammed beherrscht wird. Als Vorlage diente ein Karnevalswagen aus Manaus. Unter dieser Abendmahlszene lagern verschiedene Kabinen, in denen im 16 mm-Format die Filme rattern. Trotz des gemeinsamen Ratterns der Projektoren und der \u00c4sthetik der verwendeten 16 mm-Bolex-Kamera hat jeder Raum sein eigenes Thema und bildet einen eigenen Planeten. In einem abgeteilten Raum wird auf 18 Monitoren das vollst\u00e4ndige Material des Films African Twin Towers gezeigt, insgesamt 18 Stunden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/DSCF4459.JPG\" width=\"337\" height=\"450\" alt=\"Eindruck vom Aufbau der Installation im Haus der Kunst\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Kein Filmschnitt wird schaffen, was man mit einer Bolex machen kann.<br \/>\nDie Bolex k\u00f6nnen auch Blinde bedienen.<br \/>\nSie schie\u00dft &#8230; und nach 30 Sekunden ist das Material zu Ende.<br \/>\nDann muss man nachladen.<br \/>\nUnd auch wenn man blind ist, kann man damit schie\u00dfen.<br \/>\nBild f\u00fcr Bild &#8230; Einzelbild &#8230; wie ein Revolver.<br \/>\nUnd es wird weniger kryptisch sein als unser Stammbaum.&#8220;<br \/>\n<em>(Schlingensief)<\/em><\/p>\n<p>Mit Umlaufblende, handgemachter Auf- und Abblende, zum Teil selbst entwickeltem Material, Hinwendung zum Korn des Schwarz-wei\u00df-Materials und kurzen Loops erreicht Schlingensief eine Beschleunigung, die mitrei\u00dft. Und doch gibt es durch den Blick der Kamera ein Zentrum, das einen am Boden h\u00e4lt. Schlingensiefs Radikalit\u00e4t liegt in der subjektiven Auswahl und dem hierarchiefreien Nebeneinander von Bildern, Themen und Personen. Er glaubt an die sinnliche Macht der Bilder und an die F\u00e4higkeit des Betrachters, sich vom Verlangen nach Linearit\u00e4t zu befreien.<\/p>\n<p>Nach seinen \u00fcbergreifenden Installationen u.a. in Neuhardenberg (Animatograph II) und dem Burgtheater Wien (Area 7), in denen er die Grenzen des Theaters in Richtung Installation \u00fcberschritt, hat Schlingensief nun seine erste gr\u00f6\u00dfere Einzelpr\u00e4sentation in einer Kunstinstitution.<\/p>\n<p>&#8222;Nicht Sch\u00e4rfe ist sein Thema, sondern Unsch\u00e4rfe. Das m\u00f6chte ich unterst\u00fctzen, denn Dinge, die klar sind, inspirieren nicht. Die Welt in ihrer Ganzheit ist eben nicht zu begreifen.&#8220; (Stephanie Rosenthal)<\/p>\n<p>Christoph Schlingensiefs Installation im Haus der Kunst wird von der Kulturstiftung des Bundes gef\u00f6rdert.<br \/>\nIn Zusammenarbeit mit XI Festival Amazonas de \u00d3pera und Goethe-Institut S\u00e3o Paulo<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Film-, Theaterregisseur und K\u00fcnstler Christoph Schlingensief zeigt im Haus der Kunst seine Installation &#8222;18 Bilder pro Sekunde&#8220;, die eigens f\u00fcr die ehemalige Ehrenhalle entsteht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/214"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=214"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/214\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}