{"id":21,"date":"2005-07-29T09:47:03","date_gmt":"2005-07-29T07:47:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=21"},"modified":"2005-07-29T09:47:03","modified_gmt":"2005-07-29T07:47:03","slug":"die-addition-der-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=21","title":{"rendered":"Die Addition der Angst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das K\u00f6lner Museum Ludwig zeigt Christoph Schlingensiefs \u201eChurch of Fear\u201c und die \u201eNaked Drawings\u201c von Dan Perjovschi.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Johanna di Blasi. K\u00f6lner Stadtanzeiger<\/em><\/p>\n<p>Auf der s\u00fcdlichen Dachterrasse des Museum Ludwig, zur Altstadt hin, hat sich eine kleine wei\u00dfe Kapelle eingenistet. Wie ein Schifflein schmiegt sie sich in die postmoderne Dachlandschaft. Ein st\u00fcrmisch aufgepeitschtes Meer meint man in den Abwehr signalisierenden grauen Dachzinnen zu sehen. Bei der Kapelle handelt es sich um die \u201eKirche der Angst\u201c (\u201eChurch of Fear\u201c, CoF). Ihr Urheber ist der Filmemacher, Theaterregisseur und Aktionsk\u00fcnstler Christoph Schlingensief.<\/p>\n<p>Aus einem Lautsprecher im Glockenturm des \u201eunschuldigen Kirchleins\u201c (Museumsdirektor Kasper K\u00f6nig) sind deutlich Muezzin-Ges\u00e4nge zu h\u00f6ren. Ausgestattet ist es mit einem Beichtstuhl und einem unkonventionellen Bildprogramm: buddhistische Motive, ein Mopsarsch, ein verwesender Hase. Der Hasenverwesungsfilm ist auch das Schlussbild von Schlingensiefs \u201eParsifal\u201c-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen.<\/p>\n<p>Durch einen Sehschlitz kann man auf einen Monitor blicken, der Livebilder von der Domplatte sendet. Dort ist eine Webcam installiert. Man findet sich in der Rolle des \u00e4ngstlich Blickenden, es k\u00f6nnte aber auch die Perspektive eines Heckensch\u00fctzen sein. Sollte etwas passieren, ist die \u201eChurch of Fear\u201c life dabei. Das Museum setzt mit Blick auf den Weltjugendtag ein weithin sichtbares Zeichen: vielschichtig, abgr\u00fcndig und makaber.<\/p>\n<p>\u201eIch bin zw\u00f6lf Jahre Messdiener gewesen. Ich bin Katholik\u201c, unterstrich der stets manisch aufgew\u00fchlte Aktionsk\u00fcnstler in K\u00f6ln. Seine CoF betrachtet er als \u201eschlechtes Gewissen der Kirche\u201c. \u201eWir lassen nicht zu, dass \u00bbMonopolisten der Angst\u00ab in Kirche, Politik und Medien mit unseren \u00c4ngsten machen, was sie wollen. Wir sagen Ja zur Angst. Wir addieren und sublimieren Angst\u201c. In den sonderbaren Symbolen der CoF sieht Schlingensief Aspekte von Transformation und Auferstehung.<\/p>\n<p>Die kleine Holzkapelle ist 2003 schon auf der Biennale in Venedig zu sehen gewesen. Mit einer spektakul\u00e4ren Pfahlsitzaktion hat Schlingensief damals anl\u00e4sslich des Kriegsbeginns im Irak die Angstkirche spontan ins Leben gerufen. Freiwillige harrten nach dem Vorbild fr\u00fchchristlicher S\u00e4ulenheiliger zum Zeichen ihrer Askese und entschlossenen Selbst- und Angst\u00fcberwindung tagelang auf grob gezimmerten Podesten aus.<\/p>\n<p>Von der K\u00f6lner Domplatte aus startete dann im Herbst 2003 \u201eDer Schreitende Leib\u201c, eine CoF-Prozession. \u201eKein Gott, kein G\u00f6tze wird uns leiten! Volle Angst voraus\u201c, predigte das \u201eGemeindemitglied\u201c Schlingensief damals. Mit saloppen Parolen wie \u201eRecht auf Terror\u201c oder \u201eIch bin ein Schl\u00e4fer\u201c brachten die Angstpilger Dorfbewohner gegen sich auf. Auch in Nepal ist die Angstkirche schon gewesen. \u201eDort fliegen G\u00f6tter und Geister wild durcheinander\u201c, hat Schlingensief beobachtet. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich von der CoF behaupten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das K\u00f6lner Museum Ludwig zeigt Christoph Schlingensiefs \u201eChurch of Fear\u201c und die \u201eNaked Drawings\u201c von Dan Perjovschi. von Johanna di Blasi. K\u00f6lner Stadtanzeiger Auf der s\u00fcdlichen Dachterrasse des Museum Ludwig, zur Altstadt hin, hat sich eine kleine wei\u00dfe Kapelle eingenistet. Wie ein Schifflein schmiegt sie sich in die postmoderne Dachlandschaft. 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