{"id":207,"date":"2007-04-25T02:06:58","date_gmt":"2007-04-25T00:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=207"},"modified":"2007-04-25T02:06:58","modified_gmt":"2007-04-25T00:06:58","slug":"wagner-im-regenwald-3sat-kulturzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=207","title":{"rendered":"WAGNER IM REGENWALD (3SAT KULTURZEIT)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schlingensief inszeniert &#8222;Der fliegende Holl\u00e4nder&#8220; in Manaus<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nIm Teatro Amazonas d\u00fcrfte dieser Auftritt gewiss einmalig sein: Die Bateria einer Sambaschule betritt den Saal, das Orchester verstummt. Brasilianische Rhythmen treffen auf Opernmusik von Richard Wagner, im Regenwald ist alles m\u00f6glich und bei Christoph Schlingensief sowieso. Er inszeniert den &#8222;Fliegenden Holl\u00e4nder&#8220;, die Geschichte vom verfluchten Seemann, den nur die Treue einer Frau vom Bann erl\u00f6sen kann, unter dem Titel &#8222;O Navio Fantasma&#8220; \/ &#8222;Das Geisterschiff&#8220; in Manaus.<\/p>\n<p>Es ist ein spannendes M\u00e4rchen, das wohl \u00fcberall auf der Welt verstanden wird.Nach dem &#8222;Parsifal&#8220; in Bayreuth ist es  Schlingensiefs zweite Wagner-Inszenierung. In Manaus sei es vor allem auch der Rahmen, das Haus, die Stadt, die Athmosph\u00e4re, die locke, meint Schlingensief. Es sei auch die Mythologie, etwas Geschichtstr\u00e4chtiges, zu sagen: &#8222;Wir waren in Manaus&#8220;. &#8222;Wenn man hier ankommt, dann sucht man um die Oper herum den Dschungel.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Viel Wasser und Urwald<\/strong><\/p>\n<p>Die Millionenmetropole Manaus am Rio Negro bedeutet viel Wasser und Urwald und Menschen, die auch an Mystik und G\u00f6tter glauben. Vielleicht passt gerade deswegen Richard Wagner so gut hierher in die br\u00fctende Hitze der brasilianischen Tropen. Manaus ist ein exotischer, ein besonderer Ort. Bis heute kann man den eigenen Charme dieser Stadt entdecken, den wir aus Herzogs &#8222;Fitzcarraldo&#8220; mit Klaus Kinski kennen. Das nimmt auch die &#8222;Holl\u00e4nder&#8220;-Inszenierung auf. Schlingensief projiziert seine eigenen Bilder vom Amazonas auf die B\u00fchne. Visuell wird bei ihm viel geboten.<\/p>\n<p>Wundersch\u00f6n und poetisch wirkt das vor allem im Schlussbild, als Sentas Tod die Erl\u00f6sung des Holl\u00e4nders bedeutet. Opernkritiker Klaus Billand findet: &#8222;Das hier war auf jeden Fall noch im Rahmen.&#8220; Wenn man Schlingensief kenne und hingehe, m\u00fcsse man sich auch nicht aufregen. &#8222;Man wei\u00df genau, was f\u00fcr ein Konzept er hat. Das kann nicht mehr \u00fcberraschen, Ich glaube, auch, dass er sich langsam etwas Neues einfallen lassen sollte. Es war heute f\u00fcr mich schon ein bisschen konventionell.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Erfahrung mit Wagner<\/strong><\/p>\n<p>Die legend\u00e4re Oper von Manaus hat schon Erfahrung mit Wagner. Vor zwei Jahren zeigte man den kompletten Ring. Zwei  Monate probte Schlingensief hier den &#8222;Fliegenden Holl\u00e4nder&#8220;, oder &#8222;Das Geisterschiff&#8220;, wie es in der portugiesischen \u00dcbersetzung hei\u00dft. Er tat es mit Leidenschaft und mit viel Liebe zu Wagner und seiner Musik. Schlingensief schw\u00e4rmt: &#8222;Aber manchmal wird es so lebendig genau in dem Moment, in dem die Musik von Wagner auf ein Orchester trifft, auf Schauspieler, auf Menschen, auf S\u00e4nger hier aus dem Ort und auf Techniker, die sichtbar sind und Leben reinbringen, ohne jeden Rhythmus, ohne jede Koordination zur Musik. Sie sind einfach da.&#8220;<\/p>\n<p>Bei der Er\u00f6ffnung des Festivals diente das Opernhaus als Kulisse. Christoph Schlingensief will die Oper \u00f6ffnen, nicht elit\u00e4r soll sie sein, sondern f\u00fcr das Volk.Und wenn nicht alles perfekt ist oder auf Anhieb klappt, umso besser.Operns\u00e4nger Ricardo Tuttmann ist jedenfalls begeistert, in Manaus singen und mit Schlingensief arbeiten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><strong>Schlingensief ist der eigentliche Star<\/strong><\/p>\n<p>Und daf\u00fcr haben sie ihn lieb gewonnen, die Brasilianer. Nicht Richard Wagner, sondern Christoph Schlingensief ist der eigentliche Star von Manaus. Ihm mache es auch mehr Spa\u00df, hier zu arbeiten als in Deutschland, meint dieser, &#8222;weil die Leute das wollen. Sie sind nicht nur angestellt, wollen etwas erf\u00fcllen und dann wieder Pause. Sie wollen etwas, sie machen das auch<br \/>\nund geben mir sehr viel Kraft&#8220;, so Schlingensief. &#8222;Ich bin nicht hier, um denen zu zeigen, wie toll wir Deutschen sind, sondern ich habe noch eher zu lernen, wie toll sie sind.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn er mit Karneval die Oper aus dem Kunsttempel herausholt und popul\u00e4r macht, dann m\u00f6gen manche Kritiker von Stilbruch sprechen. Aber sch\u00f6n anzuschauen ist das auf jeden Fall. Von ihm wird die Perfomance auch gleich mit seiner Kamera festgehalten als Teil seines Langzeitprojekts &#8222;Der Animatograph&#8220;. In Brasilien entstehen eine Reihe von Kurzfilmen, die bald in<br \/>\nM\u00fcnchen zu sehen sein werden.<\/p>\n<p>Christoph Schlingensief will nicht mehr der b\u00f6se Junge der deutschen Kulturszene sein. &#8222;Ich bin leider als Provokateur verschrieen, als Enfant Terrible&#8220;, sagt er. Das sei in Deutschland so. &#8222;Ich habe aufgeh\u00f6rt, das wieder gerade r\u00fccken zu wollen. Es bringt nichts, kostet nur Kraft.&#8220; In Brasilien begeistern ihn &#8222;die Leute, die Stimmung, auch die Weichheit, die M\u00f6glichkeit, einfach mal wieder handgreiflich zu sein. Nicht vier Wochen vor Ende das Schulheft abgeben zu m\u00fcssen, ist ein Traum und hat mir sehr viel Gl\u00fcck gebracht.&#8220;&#8220;Ich bin weicher geworden&#8220;, sagt er. Brasilien hat ihm ganz offensichtlich gut getan.<\/p>\n<p><em>23.04.2007 \/ Carsten Thurau f\u00fcr Kulturzeit \/ hs<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlingensief inszeniert &#8222;Der fliegende Holl\u00e4nder&#8220; in Manaus<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/207"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/207\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}