{"id":176,"date":"2007-01-04T20:36:07","date_gmt":"2007-01-04T18:36:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=176"},"modified":"2007-01-04T20:36:07","modified_gmt":"2007-01-04T18:36:07","slug":"helge-schneider-weis-nicht-warum-seine-bettszene-mit-frau-riemann-gezeigt-wird-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=176","title":{"rendered":"HELGE SCHNEIDER WEI\u00df NICHT, WARUM SEINE BETTSZENE MIT FRAU RIEMANN GEZEIGT WIRD (DIE WELT)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Interview \u00e4u\u00dfert sich Helge Schneider zu seinem gest\u00f6rten Verh\u00e4ltnis zu Hitler-Schauspielern und erinnert sich an &#8222;Menu Total&#8220;, den Film, in dem er zum ersten Mal Hitler darstellte<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nVon Peter Zander<\/p>\n<p>Helge Schneider wei\u00df nicht, warum seine Bettszene mit Katja Riemann gezeigt wird. Der Entertainer f\u00fchlt sich nicht wohl in seiner Haut. Das mag daran liegen, dass er f\u00fcr Dani Levys Film \u201eMein F\u00fchrer\u201c, der n\u00e4chste Woche in die Kinos kommt, Hitler gespielt hat. Und sich daf\u00fcr, zum ersten Mal in seinem Leben, die Haare geschnitten hat. WELT.de sprach mit dem Mann, der der F\u00fchrer war.<\/p>\n<p>WELT.de: Herr Schneider, Dani Levy hat schon beim Drehbuchschreiben an Sie gedacht. Was macht Sie so Hitler-tauglich?<\/p>\n<p>Helge Schneider: Vielleicht mein Gesicht; ich habe keine Ahnung. Er hat sogar noch nie zuvor eine Show oder einen Film von mir gesehen. Ich wei\u00df nicht, was ihn da geritten hat.<\/p>\n<p>WELT.de: Wie war Ihre erste Reaktion auf das Angebot?<\/p>\n<p>Schneider: Erst mal war die Frage, ob ich Zeit habe. Hatte ich eigentlich nicht. Die lie\u00dfen aber nicht locker. Da habe ich das Drehbuch mal halbherzig gelesen. Da war so viel Text auswendig zu lernen, das ist ja gar nicht mein Ding. Dann hat mich aber der Dani zum Vorsprechen \u00fcberredet, und dabei bekam ich einen solchen Spa\u00df. Ich habe das gesehen wie ein Kind, das Theater spielt. Da sagt man: Ich bin jetzt R\u00e4uber Hotzenplotz, und in dem Moment ist man das. Ich habe trotzdem gehofft, dass sie mich nicht nehmen. Ich hatte auch keine Lust, meine Haare abzuschneiden. Ich bin ja deshalb nicht zur Bundeswehr damals, daf\u00fcr habe ich Jahre gek\u00e4mpft. Und dann soll ich die f\u00fcr so einen Heini opfern. Dann habe ich\u2019s aber doch gemacht.<\/p>\n<p>WELT.de: Wie haben Sie sich vorbereitet. Kann man sich \u00fcberhaupt bei so einer Rolle?<\/p>\n<p>Schneider: Ne, kann man nicht. Das ist wie ein Sprung ins kalte Wasser.<\/p>\n<p>WELT.de: Aber wir alle haben doch unsere Vorstellungen im Kopf. Hitler ist doch omnipr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Schneider: Ja. So wie David Hasselhoff.<\/p>\n<p>WELT.de: Vielleicht noch pr\u00e4senter.<\/p>\n<p>Schneider: F\u00fcr mich nicht. Aber du hast recht: Man wird ja seit 20 Jahren bombardiert mit Fernsehberichten, Zeitdokumenten usw. Seit Leute wie der Knopp die Themen aufreiten. Heute machste die Glotze an und siehst so Leute marschieren. Ich wei\u00df gar nicht, ob das gut ist. Diese Bilder pr\u00e4gen ja fast schon. Den Hitler kann ja jetzt schon jeder nachmachen.<\/p>\n<p>WELT.de: Sie m\u00fcssen nicht nur eine monstr\u00f6se Figur spielen, sondern auch mit gro\u00dfen Schauspielern konkurrieren.<\/p>\n<p>Schneider: Ja. Aber ich sehe da gar keinen Vergleich. Der Chaplin hat ihn ja auch nicht authentisch gespielt. Der hat sich den Bart angeklebt und ein paar Bewegungen \u00fcberzogen, und fertig ist der Adolf. Und er hat erreicht, was er wollte.<\/p>\n<p>WELT.de: Wenn ein Deutscher Hitler parodiert, ist das vielleicht ein gr\u00f6\u00dferer Tabubruch.<\/p>\n<p>Schneider: So ein Film ist ja komischerweise ein Hype. Ich muss jetzt aber mal sagen: Ich habe diese Rolle nebenbei gespielt, was ich als Hobby sehe \u2013 ich bin ja kein Schauspieler, ich bin Darsteller. Das ist auch der Grund, warum ich das so locker machen konnte: Ich habe da keinen Druck. Ich muss jetzt nicht von Hollywood entdeckt werden. Weil ich Musiker bin. Weil ich immer mein K\u00e4sebrot spiele und Katzeklo. Ich habe jetzt auch eine Platte gemacht, ein Buch, eine Tour, extra, um den Fokus etwas abzulenken. Denn ich habe den Film ja nicht gemacht, es ist nicht mein Film.<\/p>\n<p>WELT.de: Das klingt jetzt aber schon, als ob Sie sich vom Endprodukt distanzieren w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Schneider: Nicht von der Rolle, im Gegenteil. Aber, ganz klar, vom Machen des Films. Ich hab ihn ja nicht gemacht. Ich habe mich nur zur Verf\u00fcgung gestellt, ich habe das auch gut gemacht, das wei\u00df ich. Und es hat mir auch viel Spa\u00df gemacht. Obwohl ich jeden Morgen um halb f\u00fcnf in der Maske sitzen musste drei, vier Stunden da gesessen und mich gefragt habe, was mich da geritten hat.<\/p>\n<p>WELT.de: Haben Sie den fertigen Film schon gesehen?<\/p>\n<p>Schneider: Ich habe mal fragmentarisch was gesehen.<\/p>\n<p>WELT.de: Und?<\/p>\n<p>Schneider: Ich bin nicht befugt, jetzt eine Wertung abzugeben. Filme entstehen und werden dann umgeschnitten. Die k\u00f6nnen deine Rolle ganz gro\u00df machen oder schneiden dich ganz raus \u2013 wie ich das selbst schon in meinen Filmen getan habe. Aber beim Zuschauer entsteht dann noch mal ein ganz anderer Film. Kann sein, dass der zu harmlos daherkommt oder die Leute total schockiert sind. Aber das sind alles Sachen, die muss der Regisseur verantworten oder die Produktion. Wenn mich jemand fragt: Helge, wie findest du den Film?, dann sage ich: Ich finde den nicht. Weil ich keinen Abstand dazu habe.<\/p>\n<p>WELT.de: Bei Ihnen erwartet man immer eine Witzfigur. Jetzt bestehen Sie aber im Presseheft darauf, mit Hitler eine ernsthafte Figur darzustellen.<\/p>\n<p>Schneider: Vielleicht ist das ein wenig falsch erl\u00e4utert da. Als ich in den Siebzigern erstmals eine Schallplatte geh\u00f6rt habe, \u201eHitlers Reden\u201c, haben wir uns total kaputtgelacht. Das ist ja eigentlich eine Witz-, eine Schie\u00dfbudenfigur, wenn man sie aus der Historie l\u00f6st. Deshalb meinte ich, wenn ich Hitler spiele, dann nicht als gespielter Witz, wie man das so von der Comedy im Fernsehen kennt, \u2013 sondern so, wie er war. Das ist ja noch viel witziger.<\/p>\n<p>Schneider: Ich habe den Hitler jedenfalls so gespielt, wie ich\u2019s kann. Ich kann\u2019s vielleicht nicht so gut wie?<\/p>\n<p>WELT.de: Bruno Ganz?<\/p>\n<p>Schneider: Wie Hitler selber.<\/p>\n<p>WELT.de: Sie spielen ihn aber durchaus nicht nur als Schie\u00dfbudenfigur. Es gibt ja richtig melodramatische Momente.<\/p>\n<p>Schneider: Ja klar. Aber das ist das Drehbuch. Da bin ich nur der Darsteller, der den Text abnudelt. Alles andere, wo nicht gesprochen wird, das bin ich. Ich habe nix am Text ver\u00e4ndert, ich bin daf\u00fcr nicht zust\u00e4ndig. Ich h\u00e4tte ihn auch anders dargestellt.<\/p>\n<p>WELT.de: Nicht als mitleiderregendes W\u00fcrstchen?<\/p>\n<p>Schneider: Meiner Meinung nach kann man das ruhig tun. Wenn man ihn so zeigt, wie er gewesen ist, wie Bruno Ganz es auch schon gemacht hat, dann zeigt man ja nur ein bisschen mehr Mensch als die Karikatur. Was den Text in \u201eMein F\u00fchrer\u201c angeht, wenn er sagt, sein Vater habe ihn geschlagen, da muss ich sagen: Das ist ziemlich platt. Ich habe mir noch nie Gedanken gemacht, \u00fcber Hitler einen Film zu machen; aber h\u00e4tte ich\u2019s getan, dann w\u00fcrde ich nur die Figur nehmen und in die heutige Zeit adaptieren, damit das auch irgendwie brisant ist. So ist das alles \u2013 naja.<\/p>\n<p>WELT.de: Sie wollten aber auch nicht mit Dani Levy \u00fcber \u00c4nderungen am Film diskutieren?<\/p>\n<p>Schneider: N\u00f6. Das bringt nix. Das geht nicht.<\/p>\n<p>WELT.de: W\u00fcrden Sie als Regisseur auch nicht zulassen?<\/p>\n<p>Schneider: Genau. So muss man das sehen. Wenn Dani sich den Film ausgedacht hat und ich spiele da eine Rolle, habe ich gar kleinen \u00dcberblick. Und wenn etwas nicht glaubw\u00fcrdig ist, dann kann man das auch nicht \u00fcberh\u00f6hen, dann greift, dann er-greift das nicht.<\/p>\n<p>WELT.de: Entschuldigung, aber das klingt wie die Klischee-Ausrede aller Nazi-Mitl\u00e4ufer: Ich habe ja nur gespielt?<\/p>\n<p>Schneider: Naja, das ist jetzt ein bisschen \u00fcbertrieben. Ich finde die Frage v\u00f6llig fehl am Platz. Ich habe Hitler dargestellt f\u00fcr einen j\u00fcdischen Regisseur, dem ich mich anvertraut habe. Und was er daraus macht, dazu brauch ich eigentlich gar nicht gefragt zu werden. Nicht wie ich den Film finde und nicht, was daraus geworden ist. Wenn ein Regisseur einen Film dreht, kann der Darsteller doch nicht sagen: Ich stehe und falle mit ihm. Das ist doch v\u00f6llig absurd.<\/p>\n<p>WELT.de: Es gibt genug Darsteller, die ihrem Regisseur gern ins Handwerk pfuschen?<\/p>\n<p>Schneider: Nat\u00fcrlich gibt es genug Schauspieler, die so sind. Ich nicht. Klar h\u00e4tte ich den ganzen Betrieb aufhalten k\u00f6nnen, wie Klaus Maria Brandauer das am ersten Tag gemacht hat. Ich finde es auch schade, dass er dann gar nicht mitgemacht hat. Wenn ich einen Film zusage, erkl\u00e4re ich mich auch dazu bereit. Wenn der Regisseur aber etwas daraus macht, was ich nicht gut finde, sag ich doch nicht: Jetzt \u00e4ndere den Film mal. Ist doch Quatsch.<\/p>\n<p>WELT.de: Sie haben Adolf Hitler schon einmal gespielt, in \u201eMen\u00fc total\u201c.<\/p>\n<p>Schneider: Ja, mit Christoph Schlingensief, vor 25 Jahren. Das ist auch gut geworden. Da habe ich auch die Musik dazu gemacht. Und das ist auch eine gute Auseinandersetzung damit. Das ist aber lange her.<\/p>\n<p>WELT.de: Eine bessere Auseinandersetzung als \u201eMein F\u00fchrer\u201c?<\/p>\n<p>Schneider: Wenn \u201eMein F\u00fchrer\u201c ins Kino kommt, wird das Publikum entscheiden, ob er ihm etwas sagt oder nicht. Ich bin, das, wir k\u00f6nnen da ganz ehrlich dr\u00fcber reden, ganz unsicher. Ich wei\u00df nicht so genau, was daraus wird.<\/p>\n<p>WELT.de: Wir haben das Gef\u00fchl, bei Dani Levy sei das genauso.<\/p>\n<p>Schneider: Allein die Rechtfertigung, ob man \u00fcber Hitler lachen darf, finde ich v\u00f6llig fehl am Platz. Was soll das? Ich habe den Film mal ganz kurz auf dem Monitor durchgespult. Da habe ich Szenen gesehen, die sind ganz anders geworden als im Drehbuch. Und eine, wo ich mit Katja Riemann im Bett liege, war eigentlich rausgeschnitten, da frage ich mich, warum ist die jetzt wieder drin. Ich sage S\u00e4tze wie: \u201eJa, mein Vater schlug mich.\u201c Aber all die anderen S\u00e4tze, die auch gesagt wurden, die das relativieren, die fehlen jetzt. Aber das ist halt Dani. Dani hat versucht, dem jungen Publikum mit ganz schlichten Mitteln zu sagen: Leute, seid besser zu euren Kindern. Das war seine Intention. Ich h\u00e4tte das nicht gemacht. Ich habe immer gesagt, so viele Leute wurden von ihren Eltern geschlagen, die sind aber trotzdem keine Hitler geworden.<\/p>\n<p>4.1.2007<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/merchandise.php\"><img src=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/shop\/hitler_banner_450.gif\" alt=\"Schlingensief DVDs\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interview \u00e4u\u00dfert sich Helge Schneider zu seinem gest\u00f6rten Verh\u00e4ltnis zu Hitler-Schauspielern und erinnert sich an &#8222;Menu Total&#8220;, den Film, in dem er zum ersten Mal Hitler darstellte<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/176"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=176"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/176\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}