{"id":141,"date":"2006-09-14T13:50:16","date_gmt":"2006-09-14T11:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=141"},"modified":"2006-09-14T13:50:16","modified_gmt":"2006-09-14T11:50:16","slug":"die-asthetik-unserer-tage-heist-erfolg-ddp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=141","title":{"rendered":"&#8222;DIE \u00c4STHETIK UNSERER TAGE HEI\u00dfT ERFOLG&#8220; (DDP)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief zeigt in Berliner Volksb\u00fchne begehbare Installation \u00abKaprow City\u00bb<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nVon N.N.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nDie Einladung zu Christoph Schlingensiefs neuem Theaterabend am Mittwoch in der Berliner Volksb\u00fchne las sich eher sperrig: Er wolle eine \u00abanimatographische Installation\u00bb vorstellen, darin den Tod von Prinzessin Diana thematisieren. Aufmerksamkeit erregte er vor allem mit einem Namen: Jenny Elvers-Elbertzhagen. Die blonde ehemalige Heidek\u00f6nigin gilt als Garant f\u00fcr Aufmerksamkeit in der leichten Unterhaltung. Der Titel des Abends \u00abKaprow-City\u00bb zeigte an, wohin die Reise gehen sollte: Der amerikanische Happening-K\u00fcnstler Allan Kaprow (1927-1996), in den 60er und 70er Jahren f\u00fcr seine Aktionen ber\u00fchmt, stand Pate bei Schlingensief. \u00bbDie \u00c4sthetik unserer Tage hei\u00dft Erfolg\u00ab, war das Credo Kaprows.<\/p>\n<p>Wer allerdings wegen Elvers-Elbertzhagen als Lady Di gekommen war, der sah sich entt\u00e4uscht: \u00abSie ist ja nur in Videos zu sehen, gar nicht auf der B\u00fchne\u00bb, beklagte sich ein Zuschauer gleich nach der Auff\u00fchrung in einem Fernsehinterview vor der T\u00fcr der Volksb\u00fchne. Nur bei der Vorstellung aller an der Installation beteiligten Schauspieler zeigte sich die Diva, mit blondem Kurzhaarschnitt und im elegant-schlichten schwarzen Etuikleid.<\/p>\n<p>Vor dem Start des Happenings verteilte Regisseur Schlingensief h\u00f6chstpers\u00f6nlich sein Publikum: Ein Drittel wanderte in das \u00abKarussell\u00bb, ein Drittel nahm auf den St\u00fchlen drumherum Platz, das andere Drittel verteilte sich im Zuschauerraum. \u00abJeder sieht nur einen Teil der Wahrheit, nie die ganze Geschichte\u00bb, stimmte er sie ein. Wer in dem inneren, sich rasch drehenden Karussell gelandet war, der durchschritt im Minutenrhythmus kleine \u00abKunstkammern\u00bb mit skurrilen Anordnungen etwa von H\u00fchnern und Kaninchen in K\u00e4figen, einer britischen K\u00f6nigin Elisabeth, die aus dunklem Teig Hakenkreuze backt, einem Rollstuhlfahrer, der Zitronen f\u00fcr eine Di\u00e4t auspresst und vielen toten Hasen, wie Schlingensief sie auch bei seiner Inszenierung von Richard Wagners Oper \u00abParsifal\u00bb bei den Bayreuther Festspielen benutzt.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt Richard Wagner: Ihm und der Villa Wahnfried hat Schlingensief auch eine Szene seines Happenings gewidmet. \u00abHier, wo mein W\u00e4hnen Frieden fand, sei dieses Haus von mir benannt\u00bb, prangt in handgemalten Lettern \u00fcber der Wagner-Happening-Box. Auf einem Video ist ein kleiner Junge (Schlingensief?) zu sehen, der ehrfurchtsvoll vor einem Modell der Villa Wahnfried steht. Richard Wagner selbst tr\u00e4gt auf einem Gem\u00e4lde eine Armbinde mit Hakenkreuz, und aus einem Video br\u00fcllt Adolf Hitler best\u00e4ndig \u00abParteitag\u00bb.<\/p>\n<p>In der Nacht zum 31. August 1997 starb die geschiedene Frau des britischen Thronfolgers, Lady Diana, bei einem Autounfall in Paris. An dieses Ereignis erinnert ein Raum mit einer Videoinstallation, in der der Zuschauer f\u00fcr einige Minuten Platz nehmen darf, bis ihn die vielen flei\u00dfigen Helfer von Regisseur Schlingensief in die n\u00e4chste der zw\u00f6lf Happening-Boxen geleiten. An der Wand eine Galerie mit entstellten, unbekannten Unfallopfern.<\/p>\n<p>Jenny Elvers-Elbertzhagen als Lady Di ist in der ber\u00fchmten Szene am Ausgang des Pariser Hotels Ritz in der Todesnacht immer und immer wieder zu sehen: Sie blickt um sich, wartet kurz auf ihren Partner Dodi Al Fayed und verl\u00e4sst mit ihm gemeinsam das Hotel. Es sind die letzten Minuten vor Dianas Tod, wie heute jeder wei\u00df. Der Tod der \u00abPrinzessin der Herzen\u00bb besch\u00e4ftigt Schlingensief schon seit l\u00e4ngerer Zeit. In London will er nun einen Film drehen \u00fcber ihre letzte Stunde vor dem Tod.<\/p>\n<p>Schlingensief betrachtet seine Installation als im Kreis angeordnete Happenings, die einer Filmspule gleichen. Diese Spule besteht im Mittelpunkt ebenfalls aus einer begehbaren, wild mit Phallussymbolen und Totenk\u00f6pfen geschm\u00fcckten \u00abKathedrale\u00bb, in der ein Schauspieler schreiend die Wahrheit einfordert.<\/p>\n<p>Wer nach etwa 50 Minuten wilder Rundfahrt, die auch immer wieder am Regiepult eines sehr angespannt wirkenden Schlingensief vorbeif\u00fchrt, das Rondell verl\u00e4sst, kann noch im Zuschauerraum Platz nehmen, um dort diese Fahrt von au\u00dfen zu betrachten oder aber die innen gezeigten Videoinstallationen auf gro\u00dfer Leinwand zu sehen.<\/p>\n<p>Die Installation \u00abKaprow City\u00bb, die jedes Mal etwas anders sein wird, wie Schlingensief verspricht, ist bis 16. September, und dann wieder im Oktober und November in Berlin zu sehen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"20\" border=\"0\"\/><br \/>\n14.9.2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief zeigt in Berliner Volksb\u00fchne begehbare Installation \u00abKaprow City\u00bb<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}