{"id":130,"date":"2006-08-23T10:43:21","date_gmt":"2006-08-23T08:43:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=130"},"modified":"2006-08-23T10:43:21","modified_gmt":"2006-08-23T08:43:21","slug":"mozart-mit-wagner-verquirlt-festspielede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=130","title":{"rendered":"MOZART MIT WAGNER VERQUIRLT (FESTSPIELE.DE)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Salzburger Wagner-Aspekte und viel Schlingensief. Christoph Schlingensief war wieder da: in Bayreuth, aber auch in Salzburg. \u201e\u00d6ffnet den Schrein\u201d, nach diesem Motto geht der Gesamtkunstwerkler auch in der Festspielstadt an der Salzach vor.<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"30\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Von Frank Piontek<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"30\" border=\"0\"\/><br \/>\nWer hier in diesem Sommer Spuren Richard Wagners sucht, wird wiederum f\u00fcndig: weniger bei den Festspielen selbts, die sich diesmal ganz Mozart, der musikalischen Gegenwart und der Kom\u00f6die widmen, als im Zeichen des Performance-Artisten, der sein Wagner-Projekt im zweiten Teil einer Schau weiterschreibt, die im letzten Jahr begann.<\/p>\n<p>\u201eLes grands spectacles II\u201d untersucht im Museum der Moderne auf dem M\u00f6nchsberg die Beziehungen zwischen der Bildenden Kunst und der B\u00fchne, um in diesem Jahr die konkrete Arbeit der Bildenden K\u00fcnstler und dem Theater auszustellen: von Wagner bis heute. Es beginnt folgerichtig mit den neuen B\u00fchnenl\u00f6sungen, die in Bayreuth vorsichtig begannen, Richard Wagner hatte sich Maler, keine Ausstatter zu den ersten Festspielen geholt. Die wunderbar augen\u00f6ffnende, reiche Ausstellung zeigt einen B\u00fchnenbildkasten mit dem Zaubergarten, der 1882 von Paul Joukowsky entworfen wurde. Woanders tr\u00e4umte Adolphe Appia von einer entr\u00fcmpelten, lichtgestalteten B\u00fchne, die konsequent erst von Wieland Wagner in Bayreuth realisert wurde.<\/p>\n<p>Pendant zu &#8222;unsichtbarem Theater&#8220;<\/p>\n<p>Alfred Roller hatte 1914 noch vergleichsweise \u00fcppige Dekorationen f\u00fcr den Wiener \u201eParsifal\u201d entworfen. Wer dann den kurzen Film mit einer Tanzstudie Isadora Duncans betrachtet, die mit dem Bayreuther Tannh\u00e4user-Bacchanal einen geh\u00f6rigen Skandal provozierte, k\u00f6nnte ob des neckischen Ausdrucks-H\u00fcpfens fast entt\u00e4uscht werden. W\u00e4hrend permanent Rheingold-Musik im Hintergrund verschwimmt, die zu einer Grazer Video-Installation gebraucht wurde, schaut man auf Brygida Ochaim, die Lo\u00efe Fullers ber\u00fchmte Serpentinent\u00e4nze nachschuf: hier wird selbst der schwergepanzerte Walk\u00fcrenritt zum \u201eentstofflichten Theater\u201d, einer Art Pendant zu Wagners \u201eunsichtbarem Theater\u201d.<\/p>\n<p>Nach soviel Entstofflichung ist der Besucher schlie\u00dflich reif f\u00fcr Christoph Schlingensiefs Erl\u00f6sungs-Phantasien, die keine sein wollen. In seiner irrwitzig \u00fcberbordenden Installation \u201echicken balls. der hodenpark\u201d verquirlt er Mozart mit Wagner, dass es kracht. Das \u201eRing\u201d-Finale begleitet bei Schlingensief geradezu einh\u00e4mmernd die gewi\u00df nicht appetitliche Mozart-Eier-Performance, \u00fcber deren Saftmelange sich die Salzburger mit pawlowschem Reflex naturgem\u00e4\u00df erregt haben, eine Stimme stammelt orgiastisch \u201eWotan\u201d in den dunklen Raum hinein, nicht nur ein oder zwei, sondern Hunderte von Plastikhasen garnieren den Raum, die Gralsmarschbilder aus dem Bayreuther \u201eParsifal\u201d werden auf den Animatographen, also die Drehb\u00fchne \u201eRagnar\u00f6k\u201d projiziert, die auch der Bayreuther Inszenierung zugrunde liegt.<\/p>\n<p>\u201eMozarts goldenes Klo\u201d, zerbrochene Eier in einem kaputtgespielten Cembalo, die Aufschriften \u201eHoden 1\u201d, \u201eHoden 2\u201d, Afrika, Island und die Neubrandenburger Performance, namibianische Stammesges\u00e4nge: all das vermengt sich zu einer neuen Privatmythologie, die zwischen dem \u201eRing\u201d, \u201eParsifal\u201d und einer notwendigerweise schmutzigen Persiflage auf den Mozart-Hype z\u00fcgellos, doch nicht ohne Sinn anger\u00fchrt wird, getreu dem Motto: \u201eH\u00fclle und Inhalt! Sack und Eier!\u201d Der Gralshase ist nicht weit, der Taumel ungeheuer. Wer den Raum verl\u00e4\u00dft, in dem das \u201eKino f\u00fcr die Zukunft\u201d gerade durchdreht, bekommt noch zwei Weisheiten auf dem Weg: \u201eWagner wu\u00dfte, Mozart war kein Wunderkind\u201d. Und: \u201eDie Generalprobe war ein voller Erfolg. Ich habe mit allen Fachleuten gesprochen. Auch die Vorgesetzten waren sehr zufrieden. Ich auch.\u201d<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"30\" border=\"0\"\/><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.festspielde.de\">www.festspielde.de<\/a><br \/>\n22.8.2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salzburger Wagner-Aspekte und viel Schlingensief. 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