{"id":123,"date":"2006-08-06T12:39:16","date_gmt":"2006-08-06T10:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=123"},"modified":"2006-08-06T12:39:16","modified_gmt":"2006-08-06T10:39:16","slug":"schlingensiefs-parsifal-bleibt-das-umstrittenste-bayreuther-projekt-dpa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=123","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEFS &#8222;PARSIFAL&#8220; BLEIBT DAS UMSTRITTENSTE BAYREUTHER PROJEKT (DPA)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Keine andere Inszenierung ist bei den Bayreuther Festspielen so umstritten wie der &#8222;Parsifal&#8220; von Christoph Schlingensief. Auch im dritten Jahr zeigt sich das Publikum gespalten. Buh-Gebr\u00fcll schlug dem Regisseur entgegen, als er nach der Auff\u00fchrung am Mittwochabend vor den Vorhang trat. Es gab aber auch Applaus und Bravo-Rufe. Schlingensief quittierte die Reaktionen, indem er l\u00e4chelnd ins Publikum winkte und die Faust ballte. <\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"10\" border=\"0\"\/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/L0208_01.jpg\" width=\"450\" height=\"196\" alt=\"Parsifal Bayreuth 2006\" class=\"centered\" \/><br \/>\nGro\u00dfen Beifall ernteten der Chor und das Festspielorchester unter dem Dirigenten Adam Fischer, der eine pr\u00e4zise, wenn auch etwas spannungsarme und zeitweise recht weihevolle Auslegung der Wagnerschen Erl\u00f6sungsoper bot. Auf gutem Niveau agierte das S\u00e4ngerensemble mit Alfons Eberz in der Titelrolle, Robert Holl als Gurnemanz, John Wegner als Klingsor und Evelyn Herlitzius als Kundry. Alexander Marco-Buhrmester sang den Amfortas, Jyrki Korhonen den Titurel. Mit &#8222;Parsifal&#8220; ist der erste Auff\u00fchrungszyklus bei den RichardWagner-Festspielen beendet. <\/p>\n<p><strong>Kundry als Islamische K\u00e4mpferin <\/strong><\/p>\n<p>Bis zum 28. August stehen noch 22 Auff\u00fchrungen im knapp 2000 Zuschauer fassenden Festspielhaus auf dem Programm. Schlingensief hat seine optisch opulente, um Projektionen und Filmeinspielungen bereicherte Inszenierung in diesem Jahr nochmals umgebaut. Er nimmt sich nun des Religionskonflikts zwischen Christentum und Islam an und l\u00e4sst die Kundry als schwarz gewandete islamistische K\u00e4mpferin auftreten. Arabische Symbole und Zeichen erg\u00e4nzen die ohnehin schon \u00fcberaus anspielungsreiche Szenerie. So wird etwa die arabische \u00dcbersetzung eines Textes von Friedrich H\u00f6lderlin aus dem &#8222;Hyperion&#8220; eingeblendet. Auf der mit zahlreichen Aufbauten zugestellten Drehb\u00fchne versammelt Schlingensief ein buntes Personal von der Urmutter Gaia bis hin zu einem Parsifal-Doppelg\u00e4nger. Anders als von Richard Wagner erdacht, spuken der sieche Amfortas durch den zweiten und der entmannte Klingsor durch den dritten Akt. Am Ende streckt Parsifal den Amfortas mit dem Speer nieder, danach sterben er und Kundry selbst durch die Waffe. Dieser &#8222;Parsifal&#8220; ist zweifellos einer der ungew\u00f6hnlichsten Produktionen, die je in Bayreuth gespielt wurden. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/L0208_03.jpg\" width=\"401\" height=\"400\" alt=\"Parsifal Bayreuth 2006\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Auch wenn die Ablehnung bei Teilen des Publikums gro\u00df ist, tut ein solches Projekt den Festspielen gut. Denn bei der Wagner-Interpretation hat Bayreuth starke Konkurrenz bekommen. Ambitionierte Inszenierungen sind heutzutage an vielen Opernh\u00e4usern zu sehen. Den interessanteren Wagner gebe es l\u00e4ngst auf anderen B\u00fchnen als Bayreuth, meint etwa die Wagner-Urenkelin Nike Wagner. Bei den Festspielen soll als Reaktion darauf die Laufzeit der Inszenierungen verk\u00fcrzt werden, um \u00f6fter etwas Neues bieten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr Spannung gesorgt <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/L0208_11.jpg\" width=\"450\" height=\"222\" alt=\"Parsifal Bayreuth 2006\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Aber unabh\u00e4ngig davon ist in den n\u00e4chsten Jahren auch auf dem &#8222;Gr\u00fcnen H\u00fcgel&#8220; f\u00fcr Spannung gesorgt. 2007 wird Katharina Wagner, Tochter des Festspielchefs Wolfgang Wagner (86) und m\u00f6glicherweise seine Nachfolgerin, ihre erste Bayreuth-Inszenierung vorlegen, &#8222;Die Meistersinger von N\u00fcrnberg&#8220;. Das weltweite Interesse daran d\u00fcrfte gro\u00df sein. Die Wagner-Gemeinde r\u00e4tselt au\u00dferdem, wer den angek\u00fcndigten neuen &#8222;Parsifal&#8220; im Jahr 2008 inszenieren wird. Und dann ist da noch die Frage, wie es wohl mit dem neuen &#8222;Ring&#8220; weitergeht. Die diesj\u00e4hrige Neuinszenierung von Tankred Dorst soll bis 2010 auf dem Spielplan stehen. Hinter den Kulissen wird dar\u00fcber ger\u00e4tselt, ob der 80-j\u00e4hrige Dramatiker Dorst auch in den n\u00e4chsten Jahren nach Bayreuth kommen wird, um die noch recht unfertige Produktion zu verbessern. <\/p>\n<p><strong>Bleibt oder geht Dorst? <\/strong><\/p>\n<p>Dorst verstand sich nicht mit dem Dirigenten Christian Thielemann. Manche bezweifeln daher, dass sich der Autor den Zwist auf dem &#8222;H\u00fcgel&#8220; nochmals antun will.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"15\" border=\"0\"\/><br \/>\nFotos: Lammel, Bayreuth<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"15\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Quelle: Stephan Maurer, dpa<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine andere Inszenierung ist bei den Bayreuther Festspielen so umstritten wie der &#8222;Parsifal&#8220; von Christoph Schlingensief. 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