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Schlingensief im SPEX Interview (August 2010)
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Foto: Johannes Simon
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Schlingensief Biennale PM

„…am Ende will ich sicher sein können, dass meine Arbeit einen sozialen Gedanken hat“ (Christoph Schlingensief)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns Ihnen mitzuteilen, dass Christoph Schlingensief die Einladung der Kommissarin des Deutschen Pavillons der Venedig Biennale 2011, Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin am MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, angenommen hat.

Christoph Schlingensief probt derzeit in Berlin für das Projekt VIA INTOLLERANZA II, das von der Aktionsoper „Intolleranza 1960“ des italienischen Komponisten Luigi Nono ausgeht und von Schlingensief als eine begleitende Forschungsarbeit zu seinem Operndorf-Projekt im westafrikanischen Burkina Faso gesehen wird. Die Inszenierung wird ab Mitte Mai in Brüssel gespielt und im Anschluss in Hamburg, Wien und in München zu sehen sein.

Mit der Einladung in den Deutschen Pavillon stellt sich für Schlingensief eine weitere neue Aufgabe. „Das ist eine tolle Überraschung. Ich habe in vielen Bereichen gearbeitet, als Film-, Theater- und Opernregisseur, Produzent, Alleinunterhalter, Mensch, auch als kranker Mensch und Christ, auch als Politiker und Performer und ich habe mich auch immer für Künstler interessiert, die die Kunst fast zwanghaft betrieben haben, darin auch nicht unbedingt eine Unterscheidung zum Zwang des Leben-Müssens oder -Wollens gesehen haben. Eine Form von Schizophrenie war für meine Arbeit und mein Leben schon immer typisch. Wenn ich nur bei einer Sache wäre, würde ich mich langweilen, käme mein Kopf nicht in Fahrt. Ich muss zwischen der Musik und dem Bild, den Menschen und der Sprache, dem Gesunden und Kranken, dem Lustigen und Traurigen immer die Chance haben, auch das Gegenteil zu behaupten. An die Eindeutigkeit der Welt glaube ich nicht. Die Aufgabe den Deutschen Pavillon, einen verdächtigen Repräsentationsbau, nicht für repräsentative Zwecke, sondern für künstlerische Zwecke zu benutzen, ist da genau das Richtige: eine schwere Last, aber Kunst macht leicht, was sonst schwer ist.

Vielleicht ist das aber gerade das Gute daran. Ich liebe jedenfalls Risse und Gegensätze und in den nächsten Monaten werde ich herausfinden, welche Gegensätze für Venedig, den Deutschen Pavillon und Burkina Faso am produktivsten sind“, kommentiert Christoph Schlingensief seine Berufung.

Dr. Susanne Gaensheimer ergänzt: „Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich Christoph Schlingensief in radikaler und rückhaltloser Direktheit mit der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Befindlichkeit der deutschen Bundesrepublik. In größtmöglicher medialer Vielfalt und stets unvorhersehbar bewegt er sich in seinen Filmen, Theaterstücken, Operninszenierungen und Kunstaktionen permanent an der Grenze zwischen Realität und Fiktion, Inszenierung und Improvisation, Verbindlichkeit und Provokation, und entwickelt dabei eine ganz eigene Form von Moral und Menschlichkeit. Durch das Projekt der Gründung eines Operndorfes in Burkina Faso in West-Afrika überführt Schlingensief die Idee des Nationalen in eine weltbürgerliche Dimension.

Ich halte ihn für einen der ganz wesentlichen Künstler dieses Landes und stelle mir vor, dass durch seine künstlerische Vision die Idee der nationalen Repräsentation transformiert und der Deutsche Pavillon zu einem Ort der Kommunikation und des kosmopolitischen Geschehens wird.“

Die Ausstellung im Deutschen Pavillon entsteht im Auftrag des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland und wird realisiert in Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa).

Dr. Susanne Gaensheimer und Christoph Schlingensief werden am 29. Juni 2010 um 11 Uhr im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main im Rahmen eines Pressegespräches für weitere Fragen gerne zur Verfügung stehen. Darüber hinaus finden Sie weitere Informationen und Bildmaterial auf unserer Internetseite www.mmk-frankfurt.de.

Sollten sie weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Bis dahin verbleibe ich

mit den Besten Grüßen

MMK MUSEUM FÜR MODERNE KUNST FRANKFURT AM MAIN
Christina Henneke
Pressesprecherin
Domstr. 10, 60311 Frankfurt/Main, Germany
Tel.0049 (0)69 212 37761 oder 0049 (0)69 212 35844
Fax.0049 (0)69 212 37882
E-Mail: christina.henneke@stadt-frankfurt.de




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