„JETZT GEHT ES DARUM, GELDER ZU SAMMELN“ (DAPD)

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Aino Laberenz im dapd-Interview, 17.12.12

dapd: Wie ist der Stand der Arbeiten im Operndorf in Burkina Faso?

Laberenz: Wir haben 2011 einen ganz großen Schritt getan. Am 8. Oktober wurde die Schule im Operndorf eröffnet. Damit ist die erste von drei Bauphasen abgeschlossen. 16 Häuser sind fertiggestellt, 50 Kinder gehen jetzt täglich in die Schule. Sie sind sechs und sieben Jahre alt, also erste Klasse. Neben dem regulären Unterricht gibt es täglich eine Kunststunde. Ein Gremium von Künstlern vor Ort verantwortet ein Programm parallel zum normalen Stundenplan und kümmert sich um Projekte wie Tanz- oder Filmwochen. Ein Filmlehrer gibt zwei Mal in der Woche Filmunterricht, sehr, sehr spielerisch. Die Finanzierung des laufenden Betriebs ist für ein Jahr gesichert. Die Eltern müssen für ihre Kinder kein Schulgeld zahlen, dafür kochen die Mütter mittags. Wir wollen auch eine Alphabetisierung der Eltern erreichen. Die Analphabeten-Quote in Burkina ist sehr hoch.

dapd: Wann wird weiter gebaut?

Laberenz: Die Pläne der Architekten für die zweite Phase liegen jetzt vor. Angestrebt wird ein Baubeginn 2012. Wir arbeiten mit den Grünhelmen von Rupert Neudeck zusammen und wollen eine Krankenstation mit Solaranlage bauen. Dann sollen Gästehäuser und ein Sportplatz für die Kinder errichtet werden. Die Theaterfläche soll nutzbar gemacht werden, so dass die Kinder dort ihre Filme zeigen und Kulturabende veranstalten können. Für den Bau brauchen wir Spenden. Wir sind an öffentlichen Geldgebern dran, aber es ist noch nicht spruchreif. Für mich ist es schwer, Aufmerksamkeit und Spenden zu bekommen, weil ich nicht das große Zugpferd wie Christoph Schlingensief bin, weil ich auch Christoph nicht ersetzen oder spielen will. Ich bin eher zurückhaltend. Ich bin und werde einfach keine Rampensau. Aber ich muss lernen, das Projekt zu vermitteln. Denn es ist faszinierend: Da gehen jetzt wirklich Kinder in die Schule. Es ist toll, in ihre Augen zu sehen, zu sehen, dass sie Spaß haben. Dann weiß man, wofür man die ganze Zeit arbeitet. Christophs Traum und der Traum so vieler Menschen vor Ort lebt jetzt wirklich.

dapd: Wie viel Geld brauchen Sie für die zweite Phase?

Laberenz: Die erste Phase hat rein baulich 580.000 Euro gekostet und die zweite wird auch in dieser Größenordnung liegen. Jetzt geht es darum, Gelder zu sammeln. Wir sind dankbar für jede Spende, die auf dem Konto des Operndorfes eingeht. Wir wollen ein Benefizkonzert veranstalten, da sind wir mit Barenboim im Gespräch und müssen Termine finden. Es entsteht gerade ein Dokumentarfilm fürs Kino über das Projekt. Der soll im Frühjahr rauskommen.

dapd: Wie verarbeiten Sie den Tod Ihres Mannes?

Laberenz: Er fehlt mir immer noch jeden Tag, ich vermisse ihn wahnsinnig. Manchmal denke ich, so lange habe ich dich noch nie nicht gesehen. Ich würde gerne wissen, was er über meine Arbeit sagt. Ich vermisse ihn im Gespräch, würde gerne wissen, was er darüber denkt, dass der Papst hier war. Andererseits ist er so wahnsinnig bei mir, ich will ihn auch gar nicht loslassen. Beim Afrika-Projekt stelle ich mir nie die Fragen, ob er mein Handeln gut findet oder nicht. Ich weiß, dass er mir vertraut hat.

dapd: Wann könnte die dritte Bauphase starten?

Laberenz: Ich hoffe auf einen Baustart der zweiten Phase im nächsten Jahr und einen Abschluss 2013. Das hängt völlig von den Spenden ab. Die dritte Bauphase umfasst dann den Bau des Opernhauses.

dapd: Werden Sie aus der Politik unterstützt?

Laberenz: Es gibt ein paar Leute, die mich toll unterstützen. Kürzlich war ich bei Horst Köhler, den ich ja als Schirmherrn gewonnen hatte. Der macht mir nicht nur Mut, sondern hilft durch sein immenses Wissen über Afrika. Er gibt sehr gute Ratschläge. Er plant im nächsten Jahr eine Reise runter und will auch ins Dorf kommen. Extrem hilft auch Frank-Walter Steinmeier. Er hat an das Operndorf und den Ansatz ‚Von Afrika lernen‘ von vornherein geglaubt. Als Außenminister hatte er das Projekt gefördert, er hatte Christoph Gelder zugesagt, sogar den größten Anteil. Diese Unterstützung gab es nach dem Regierungswechsel nicht mehr. Der Grund ist banal: Es gab kurz vor der letzten Wahl eine Talkshow, in der es sich Christoph nicht nehmen ließ, etwas gegen Westerwelle zu sagen. Kurz nach der Wahl entschied das Auswärtige Amt, die Förderung einzustellen. Da war selbst Christoph sehr verdutzt, wie klein doch die Welt ist.

dapd: Was planen Sie im kommenden Jahr?

Laberenz: Es gibt diverse Ausstellungsanfragen, was den ganzen Nachlass von Christoph angeht, zum Beispiel von der Akademie der Künste. 2013 sind zwei große Ausstellungen geplant, in den Kunst-Werken Berlin und im Folkwang Essen. Dann kümmere ich mich jetzt um das Buch von Christoph. Er hatte in Absprache mit dem Kiwi-Verlag eine Autobiografie begonnen. Die stoppte er dann Anfang letzten Jahres, weil er damit unzufrieden war und sie noch mal überarbeiten wollte. Er hatte Scham vor einer Autobiografie und war sich sehr unsicher. Christoph hatte einen wahnsinnigen Humor, hatte im Kern aber immer ein ernsthaftes Anliegen. Er wollte auf keinen Fall auf den Clown und Provokateur reduziert werden, das war seine große Angst. Was er machte, meinte er immer sehr ernst. Eine ähnliche Angst hatte er mit so einem Buch. Er wollte ernsthaft von sich erzählen. Es gibt stapelweise von ihm geschriebenes und aufgenommenes Material. Jetzt habe ich die Kraft, da ranzugehen. Vielleicht schafft man es mit so einem Buch, einen Einblick in sein Denken zu gewährleisten. Das wird hoffentlich ein schöner Zugang zu seinem Kosmos. Darüber hinaus signalisiere ich jetzt langsam, dass ich wieder vermehrt als Kostümbildnerin arbeiten will.