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Foto: Thomas Aurin
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Die Schlacht um die Oper


Anlässlich des Kongresses LOVEPANGS, einer Veranstaltung zur "Ausrufung der liebeskranken Gesellschaft" in der Volksbühne Berlin, inszeniert Schlingensief an zwei Abenden auf Haupt- und Hinterbühne des Großen Hauses den ERSTEN IMAGINÄREN OPERNFÜHRER (2001).


Aus insgesamt 40 klassischen Opern und Opern der Moderne – von Mozarts COSI FAN TUTTE und Beethovens FIDELIO, über Verdis MACHT DES SCHICKSALS und Wagners LOHENGRIN, bis hin zu Korngolds DIE TOTE STADT und Brands MASCHINIST HOPKINS – werden Liebes-, Trennungs- und Leidensszenen entnommen und gemeinsam mit Opernsängern, Pop- und Schlagerstars, Schmerzforschern, einem Seniorenchor, einem Boxclub u.a. analysiert und in kurzen Improvisationen zur Aufführung gebracht.

Nachrichtenbilder von detonierenden Bomben und verwüstenden Wirbelstürmen werden ebenso wie das minutenlange Amateurvideo eines tödlichen Skiunfalls auf eine Leinwand projiziert und mit Opernmusik unterlegt.

Schlingensief und seine Mitstreiter führen Interviews und laden zum öffentlichen Gespräch über Schmerz, Verlustängste und ihre Überwindung.

Das Bühnengeschehen wird von zwei Kameras, einem Kamerawagen und einem Kamerakran festgehalten und unter dem Titel SCHLACHT UM DIE OPER (2oo1) für das Fernsehen bearbeitet. Detlef Kuhlbrodt schildert seine Eindrücke in der taz: "Plötzlich dachte man, dass man in sich ja auch Opernliebhaber und –hasser hat, (..) dass das alles nicht nur in seiner totalen Widersprüchlichkeit auf der Bühne super war, sondern einem auch Bilder und echte Menschen für das lieferte, was so chaotisch in einem selbst passiert."



Szenenfoto aus dem "Ersten Imaginären Opernführer" (Video-Still)



"Erster Imaginärer Opernführer"


Nirgendwo wird so wunderbar gelitten wie in der Oper. Dem Leiden anderer gibt sich die Zuschauerschaft mit ebenso grosser Leidenschaft hin. Auch an solch erlesenen Orten ist es schöner, gequälten Dritten ein Ohr zu leihen, als sich selbst im Schmerz zu winden. Am Leiden lernen ist hilfreich, am Leiden anderer lernen ist auch noch bequem. Der "Erste Imaginäre Opernführer" von Christoph Schlingensief und Alexander Kluge fordert auf, den Balanceakt zwischen leiden und leiden lassen in der Mitte des Seils aufzugeben und sich fallen zu lassen; in die Arme von Sophie Rois, Bernhard Voigt-Schütz, Helga und Achim Stöwhase von Paczensky - oder Rigoletto und vielen anderen, die es immer wieder versuchen.

Aus 4o klassischen und modernen Opern -von Monteverdis "Krönung der Poppea", über Verdis "Traviata" bishin zu Brands "Maschinist Hopkins"- werden Trennungs- und Todesszenen entnommen, besprochen, untersucht, gequält und gestreichelt. Bis zu drei Minuten fährt der Original-Cinecitta-Kran zum Opernplayback auf das schweigende Gesicht der Hauptdarsteller zu. "Ist Schmerz sichtbar? Ist Gesang gleichzusetzen mit Information ? Sagt der Schmerzertragende wirklich die Wahrheit? Wie singt man unter Wasser? Was passiert wenn ein Quarx zu singen beginnt?" Filmteams bevölkern die Bühne, endlose Filmszenen, potemkische Dörfer des Schmerzes in bretterverschalter Dekoration. Improvisationen, die den Schmerz aus der Oper ins Leben und aus dem Leben in die Oper zurückholen. Eine LOVEPANGS-Oper in PAIN, RAGE, RESENT UND OVER.



Szenenfoto aus dem "Ersten Imaginären Opernführer" (Video-Still)



Aus einer Vielzahl von Gästen rekrutieren Schlingensief und Kluge einen "Opernchor" - bestehend aus professionell und alltäglich leidenden Schauspielern, Opernsängern und Vertretern unterschiedlichster und aussergewöhnlicher Berufs- und Lebensbereiche. Der installierte Schmerz kollidiert mit wahrem Leiden, Kunstblut trifft Herzblut. Das Bühnengeschehen ist ebenso unabgeschlossen wie das permanente Wechselspiel zwischen junger Liebe und ausgebranntem Feuer, zwischen dem Sich-Finden und Sich-Trennen. Der Zuschauer soll dem Leiden nicht länger zuschauen, soll sich äussern und aktiv teilhaben an der Auseinandersetzung um Liebe, Leiden und deren Überwindung. Lieben sich Verdis "Aida" und ihr Angebeteter auch noch nach ihrer Einmauerung? Hätte Puccinis "Bohème" Rodolfo seine lungenkranke Geliebte sitzengelassen, wenn diese mit den Mitteln moderner Medizin hätte behandelt werden können?

Der "Erste Imaginäre Opernführer" stellt sich als fortlaufendes Projekt an beiden Abenden des Kongresses zur Verfügung, wobei Ergebnisse des Kongresses eingearbeitet werden sollen. Darüber hinaus wird der Gesamtprozeß von mehr als fünf Kameras aufgezeichnet, die das Ereignis für alle mit und nach uns Leidenden festhalten werden. Das umfangreiche Material wird anschliessend von Christoph Schlingensief und Alexander Kluge anlässlich einer dctp-Opernnacht weiterverarbeitet.



Foto aus "Schlacht um die Oper", LOVEPANGS Kongress 2001 (Foto: Aurin)



Projektskizze "Erster Imaginärer Opernführer"

Der "Opernführer" beinhaltet vier Kategorien/Kapitel


Kapitel 1: Bestandsaufnahme der Oper
"Mengenlehre des Schmerzes"


Aufschlüsselung des Schmerz-u. Trennungsthemas in
- Oper der Ausfallerscheinung
- Oper der Überladung
- Oper der Klage (Lamenti, Klagelieder)
- Oper des Betrugs...

Zehn x zwei/drei Minuten Trivialopernelemente mit jeweiligem Oberthema:
"Hier geht es nun um Betrug." /
"Hier geht es um Liebe als Grundsatzerklärung." /
"Hier geht es um das Nicht-einsam-sein-wollen." /
"Hier geht es um Täuschung, Selbsttäuschung, Misstrauen." ...

Stellvertreterpersönlichkeiten in den Opern werden ausschliesslich mit Helga und Achim besetzt.

Kapitel 2: Schmerzstufenprüfung
"Börse des Schmerzes, der Gefühle"


- Analyse des emotionalen Mehrwerts
- Ökonomie und Transzendenz der Oper
- fiktiver Opernstoff und seine Prüfung auf reale Qualität: "Wie wahr ist Oper?", Wahrheitstest Austragen unterschiedlicher Ansichten mittels Boxkampf

Liebesduette und -texte werden am sinnvollsten von der genau entgegengesetzten Betrachtungsweise angegangen, z.B. "Warum schwören sie sich nun ewige Liebe und Treue, wenn sie doch wissen, dass sie
...nachher umgebracht werden?"
...eigentlich gar nicht zueinander passen?"
...sie sich in ein paar Jahren sowieso wieder trennen werden?"

Kapitel 3: Nachrichten vom Liebeskongress

Kapitel 4: Wunschkonzert und Opernquiz

Zitate zur Oper
Zur-Verfügung-Stellung von Operntexten zum Gesangsunterricht
Quizfragen zum Opernthema ("Wer komponierte...?", "In welcher Oper heisst es `Dir zu leben ist all mein Wunsch und all mein Streben; ohne dir ist´s mit nur Pein, länger auf der Welt zu sein´"?, "Welchen Beruf übt Rigoletto aus?")

Daraus ergeben sich Gesprächsthemen wie:
grundlose Liebe
gekaufte Liebe
vorgetäuschte Liebe
Liebe in Schichten
Liebe im Auftrag anderer



Szenenfoto aus dem "Ersten Imaginären Opernführer" (Video-Still)



Schlacht um die Oper LOVEPANGS

Erster Imaginärer Opernführer von Christoph Schlingensief und Alexander Kluge. Die DCTP-Nacht zur Inszenierung.


In der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz in Berlin sind in den Foyers Tische aufgestellt. An Ihnen sitzen 88 Experten (Lilo Wanders, Rainer Langhans, Ex-Boxmeister, Oberstaatsanwälte, Pornostars, Gelehrte, Künstler, Werbeberater, Psychologen). Die Theaterbesucher können sich in Fragen ihres Liebesschmerzes von diesen Experten beraten lassen. Es geht um die Ausrufung der liebeskranken Gesellschaft in Berlin (Join the lovesick society!). Eine Veranstaltung nach Ideen und der Konzeption von Carmen Brucic und Jeanette Müller. Es kommt darauf an, dass Menschen sich zu Ihren Schmerzen öffentlich und mit Selbstbewusstsein bekennen.

Das war schon seit 370 Jahren das Anliegen der Oper. Von diesen Opern gibt es 86.000 Stück. Sie begleiten alle Verrücktheiten und Ideale des bürgerlichen Fortschritts mit passender Musik. Deshalb ist der LOVEPANGS-Liebesschmerzkongress begleitet von einer Großen Revue: dem 1. Imaginären Opernführer. Durch einen Operführer können sich auch diejenigen, die den Theatersaal verlassen oder die nicht den Nerv haben, alle Opern kennenzulernen, sich wie auf einer Straßenkarte orientieren.

Der Imaginäre Opernführer findet auf der großen Drehbühne sowie in allen Räumen der Hinterbühne statt. Mit Sophie Rois und Bernhard Schütz, dem Treptower Volkschor PRO MUSICA e.V. und weiteren 240 Mitwirkenden. Die Revue von Christoph Schlingensief ist mit den Enklaven von Alexander Kluge versehen.

Das 5-Stunden-Prgramm besteht aus folgende Teilen:

1. Einleitung: JOIN THE LOVE-SICK SOCIETY I (15 Minuten) Was heißt LOVEPANGS™ - Kongress? Was heißt PAIN, RAGE, RESENT & OVER?

2. Das Dacapo-Prinzip (50 Minuten) Imaginärer Opernführer Erster Teil. Von Christoph Schlingensief mit Enklaven von Alexander Kluge. Große Revue über Schmerz und Oper (50 Minuten)

3. Schlacht um die Oper I (45 Minuten) Imaginärer Opernführer Zweiter Teil. Von Alexander Kluge mit Enklaven von Christoph Schlingensief. Mit Ausschnitten aus DIE STUMME VON PORTICI/Auber, DER FREISCHÜTZ/Weber, MASCHINIST HOPKINS/Max Brand, DIE JÜDIN/Halévy, NACHTFLUG/Dallapiccola, LA TRAVIATA/Verdi und vielen anderen Werken des Musiktheaters.

4. Schlacht um die Oper II (45 Minuten) Christoph Schlingensief im Gespräch mit Alexander Kluge: Inwiefern man Opern auf keinen Fall erklären soll.

5. JOIN THE LOVESICK SOCIETY II (41 Minuten) Lebensberatung auf dem LOVEPANGS-Schmerzkongress. Die Experten im Gespräch.

6. Graf Luna, der grausame Spanier (15 Minuten) Was sagt der Opernführer über grausame Hinrichtungen von Rivalen im Mittelalter?

7. Schmerzliebe (15 Minuten) Die Erfindung der Schmerzliebe durch Petrarca, die Hlg. Theresa von Avila und Marcel Proust. Schmerzforscherin Dr. Ulrike Sprenger berichtet.

8. Das Dacapo-Prinzip (50 Minuten) Wiederholung der Revue ---siehe Ziff. 2. (Schlingensief/Kluge)

9. Schlußtitel (3 Minuten)

Eine unterhaltende und musikalische DCTP-NACHT. Spannend und informativ.



Szenenfoto aus dem "Ersten Imaginären Opernführer" (Video-Still)



Zusätzliches Material zur Schlacht um die Oper

- Schlacht um die Oper Presseecho - Presse zum Imaginären Opernführer
- Bilderstrecke zur Schlacht um die Oper - Fotos vom LOVEPANGS Kongress
- Schlacht um die Oper Trailer - Zusammenschnitt des DCTP-Specials
- www.lovepangs.com - Homepage der United Lovesick Society - LOVEPANGS
- www.kluge-alexander.de - Homepage von Alexander Kluge

Schlacht um die Oper
Erster Imaginärer Opernführer von Christoph Schlingensief und Alexander Kluge
Volksbühne Berlin, 2001

Im Rahmen des LOVEPANGS Kongresses an der Volksbühne Berlin

Premiere: 16. und 17.02.2001





Zusatzmaterial

- Bilderstrecke
- Video-Ausschnitte


Externe Links

- www.lovepangs.com
- Alexander Kluge
Nachlass Christoph Schlingensief, Fehrbelliner Str. 56, 10119 Berlin Newsletter Kontakt Impressum Datenschutz